Gespräch mit Alicia von Rittberg, Nina Gummich und Marie Hacke

Die Hauptdarstellerinnen

Anni (Marie Hacke), Friedl (Nina Gummich) und Lotte (Alicia von Rittberg)
Anni, Friedl und Lotte. | Bild: MDR/UFA Fiction / Stanislav Honzik

Hatten Sie vor dem Dreh schon Berührungspunkte mit dem Bauhaus oder haben Sie das Bauhaus vor allem durch den Dreh und die Vorbereitungen für sich entdeckt?

MARIE HACKE In meinem Kunstgeschichtsstudium habe ich mich mit dem Baustil, der Idee und Geschichte des Bauhauses befasst, was aber neu für mich war, waren die Erzählungen über das Leben am Bauhaus, die persönlichen Geschichten der StudentInnen in Verbindung mit den politischen Unruhen in dieser Zeit. Sich damit auseinanderzusetzen, war für mich das eigentlich Reizvolle an der Arbeit.
ALICIA VON RITTBERG Vor etwa zwei Jahren habe ich mein Auslandssemester in Tel Aviv gemacht. Dort bin ich das erste Mal bewusst auf den sehr klaren, einladenden und grafischen Architekturstil aufmerksam geworden. Leider blieb mir jedoch bis zu dem Filmprojekt nie die Zeit, mich weiter damit aus- einanderzusetzen, und ein richtiger Fan bin ich erst während des Drehs in Dessau geworden.
NINA GUMMICH Ich bin aus dem Osten. Halle (Saale). Da kommt man viel in Berührung, allerdings mit den äußerlich eher weniger attraktiven Seiten des Bauhauses – den Plattenbauten.

Wie war es, an den Originalschauplätzen zu drehen? Was hat Sie am meisten an der Ausstattung/am Setting fasziniert?

ALICIA VON RITTBERG Genial, man braucht überhaupt keine Vorstellungskraft mehr! Und ich war völlig fasziniert davon, wie modern die Bauten und auch die Einrichtung noch heute auf einen wirken. Vor 100 Jahren muss das alles ausgesehen haben wie von einem anderen Planeten!
MARIE HACKE Nachdem wir einige Wochen immer wieder über das Bauhaus, Dessau und Weimar geredet und uns inten siv mit dem Kunststil befasst hatten, war es irgendwie befriedigend, endlich in den Originalschauplätzen zu stehen – wie eine kleine Zeitreise.
NINA GUMMICH An Originalschauplätzen zu drehen ist immer sehr beeindruckend und auch berührend: Man weiß, was genau vor so und so viel Jahren genau an diesem Ort passiert ist. An der Ausstattung haben mich am meisten die unglaublich schönen Kostüme fasziniert. Ich liebe einfach die Mode aus dieser Zeit.

Welche Rolle spielte das Kostüm und die Ausstattung für den Film?

NINA GUMMICH Für mich eine sehr große. Ich habe eine dunkle Kurzhaar- Perücke bekommen, die einen sofort zu einem anderen Menschen werden lässt. Und ich weiß noch – als ich zum ersten Mal in Kostüm und Maske vorm Spiegel stand, meinte ich aus Quatsch, aber da war auch ein bisschen Ernst dabei: "Na seht ihr – da muss ich ja gar nichts mehr spielen, das ist Friedl."
MARIE HACKE Vor allem in den Szenen mit vielen Statisten, z.B. bei Partys, fühlte ich mich durch die Ausstattung und Kostüme direkt in eine andere Zeit versetzt und meiner Figur etwas näher. In meinem Kostüm spiegelt sich auch Annis Charakter wider, die sich in ihrer Zeit am Bauhaus besonders mit der Webkunst, Stoffen und Mustern beschäftigt hat.
ALICIA VON RITTBERG Bei historischen Filmen sind sowohl Kostüm als auch Maske mit das Wichtigste, um in eine Rolle zu finden. In langen Röcken mit Strumpfhaltern bewegt man sich einfach anders. Das Kostüm und die Maske halfen mir, die Entwicklung von der frechen Tochter mit langen Flechtzöpfen und Wollrock hin zur Vollblut-Bauhäuslerin mit Kurzhaarschnitt und moderner Kleidung im Architektinnenstil zu machen.

Wie war die Arbeit mit dem Regisseur und den Kollegen am Set?

MARIE HACKE Es war ein großes Vergnügen mit allen! Schon nach ein paar Drehtagen konnte ich mir vorstellen, wie das Leben in so einer jungen avantgardistischen Gruppe gewesen sein muss, die ihre Ideen gegen die vorherrschende Meinung und darüber, was Kunst sei, verteidigen musste.
NINA GUMMICH Ich habe die Arbeit mit Gregor als sehr frei empfunden und trotzdem wurde ich von ihm geführt – ich durfte mich ausprobieren, aber er hat mich nie aus den Augen verloren. Auch mit meinen Schauspielkollegen war es eine intensive, leichte, liebevolle Arbeit, für die ich sehr dankbar bin.

Wie konnte das Erscheinungsbild der Frau durch den politisch-revolutionären Umbruch neu definiert werden, wie sehr prägt die Emanzipationsbewegung von damals noch immer das Frauenbild von heute?

ALICIA VON RITTBERG Frauen wurden damals auf eher weibliche Bereiche wie Farbgebung und Textilien beschränkt. Aber die Geschichte der Frauen am Bauhaus macht Mut. Und ich würde mir wünschen, dass wir Frauen uns heute noch mehr zutrauen und somit mit Vorurteilen über Geschlechterrollen in bestimmten Berufsfeldern brechen.
NINA GUMMICH Mit der Einführung des Wahlrechts und der Lehrfreiheit für Frauen im 20. Jahrhundert änderte sich einiges. Zum ersten Mal in der Geschichte durften sich Frauen gleichberechtigt an Kunstakademien bewerben, für mich ist das heute zum Glück unvorstellbar, dass das nicht gehen sollte. Ich denke, in dieser Zeit wurde der Weg geebnet für die selbstbewusste, frei denkende, emanzipierte Frau, die es sonst so vielleicht nicht geben würde. Wie lässt sich die Figur Friedl Dicker in die Bauhaus- Bewegung einordnen? Was macht die Rolle besonders?
NINA GUMMICH Friedl besuchte zuerst die private Kunstschule von Johannes Itten in Wien, 1919 ging sie mit ihm ans Bauhaus in Weimar. Nach Abschluss des Studiums gründete sie mit ihrer langjährigen Affäre Franz Singer Werkstätten und ein Gemeinschaftsatelier. Sie war Mitglied der kommunistischen Partei und bekannt für ihre politische Kunst. 1944 wurde sie im KZ Auschwitz vergast. Das Besondere an der Figur Friedl Dicker ist ihre Burschikosität, ihre Selbstverständlichkeit und Unzimperlichkeit, mit der sie sich durch jegliche Situationen bewegt, ihre Neugier, ihr Mut und ihre Lebensfreude, die sie unermüdlich begleitet.

Gab es eine besondere Herausforderung beim Dreh?

NINA GUMMICH Für mich war die größte Herausforderung eine Szene, in der es einen Kostümball am Bauhaus gibt und Friedl sich als Hitler verkleidet und die wahrscheinlich erste Parodie zum Besten gibt. So stand es im Drehbuch. Und jetzt mach das mal vor 100 Leuten.
ALICIA VON RITTBERG Der Film erzählt eine Spanne von 14 Jahren, in denen Lotte eine starke Entwicklung durchmacht. Da nicht chronologisch gedreht wurde, musste ich also teilweise zwischen einer 18- und einer 28-jährigen Lotte hin und her wechseln. Zwar helfen Kostüm und Maske sehr, jedoch wollte ich auch eine innerliche Veränderung und andere Haltung zeigen. Davor hatte ich großen Respekt, aber mit der nötigen Vorbereitung wurde es zu einer schönen Herausforderung.

Wie war es für Sie, in die Rolle der Lotte zu schlüpfen und vor allem selbst handwerklich und künstlerisch tätig zu werden?

ALICIA VON RITTBERG Eine Sache, die ich an dem Beruf der Schauspielerei besonders liebe, ist die Möglichkeit immer wieder Neues zu lernen. Zeichnen war schon immer eines meiner schönsten Hobbys und somit war es ein Geschenk, Unterricht nehmen und selbst den Pinsel im Film schwingen zu dürfen.

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