Statement von Felix Herzogenrath

Regisseur

Regisseur Felix Herzogenrath.
Regisseur Felix Herzogenrath. | Bild: NDR/Degeto / Gordon Timpen

»Zum zweiten Mal einen Film zu der gleichen Reihe zu inszenieren wird ja wohl ein Kinderspiel sein, dachte ich. Ich kenne nicht nur das Hauptmotiv, sondern auch die Charaktere der Geschichte. Ich habe die Tonalität bei meinem ersten Film verstanden und viele der Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten werde, sind mir vertraut. Als ich dann das Drehbuch „Frau Irmler“ von Niels Holle las, platzte die kleine Wohlfühlblase, in der ich mich befand, schnell. Diese Geschichte war so anders als „Waidmannsheil“, mein erster Film der Reihe, und stellte mich vor komplett neue, wenn auch sehr schöne Herausforderungen. "Frau Irmler" ist eine extreme Figur, die es selten im deutschen Fernsehen zu sehen gibt. Deshalb war meine Hauptfrage: Wie bringe ich eine solche Figur dem Publikum nahe, ohne den Zuschauer zu verstören oder die Figur zu beschädigen? Eine gewisse Portion schwarzer Humor sollte das Mittel der Wahl werden, jedoch wieviel schwarz ist richtig und wie gut passt dieser Humor zu dem Format "Nord bei Nordwest"?

Bei dieser Abwägung spielte eine wichtige Rolle, dass ich nicht nur die Figuren Hauke Jacobs, Lona Vogt und Jule Christiansen, sondern auch die Schauspieler, die sie verkörpern, kannte und während meines ersten Filmes lieben gelernt hatte. Ich konnte mich insofern auf die feinfühligen emotionalen, aber gerade auch mutigen Schauspieler freuen, die mit mir diesen Spagat ausprobieren und erfühlen wagen würden. Als Produzentin Claudia Schröder dann auch noch Rosa Enskat als Frau Irmler vorschlug, konnte ich ihr nur begeistert zustimmen, denn Rosa war eine tolle Besetzung für Frau Irmler.

Das konnte also alles kein Zufall sein. Denn irgendwie geht es bei diesem Film für mich im Kern genau darum: Was formt unser Schicksal? Ist es Zufall oder Fügung? Haben wir es alle in der Hand, unser Leben zu formen? Oder sind wir kleine Schiffchen auf den Wellen des Universums, und einige bilden sich ein, dabei das Steuer in der Hand zu halten?

Keine der Film-Figuren hat darauf die Antwort, aber allen gemeinsam ist, dass sie über diese Frage nachdenken. Vielleicht macht es gerade unsere Helden so sympathisch und weise, dass sie sich ihrer Stellung im Universum bewusst sind? Vielleicht ist das auch gerade eine sehr norddeutsche Haltung. Zum Beispiel musste ich, der jetzt schon zum zweiten Mal während eines Orkanes am Strand von Fehmarn drehte, bei all meinen Inszenierungs-Ideen letztlich einsehen, dass man gegen die Kraft des Windes keine Chance hat. Und was liegt Hauke, Lona und Jule bei so viel Wind, hochtrabenden Schicksalsfragen und absurden Fügungen näher, als sich an das zu halten, was ihnen am nahesten ist. Und so sind auch in diesem Film die unsichtbaren Fäden zwischen den drei Hauptfiguren und ihrer never-ending Lovestory der eigentliche Motor des Filmes.

Ach ja: Krimi! – Da kann ich nur sagen: Manchmal ist es eben gut, sich mit Schildkröten auszukennen. Wie Hauke Jacobs. Man sollte sich allerdings davor hüten, sie zu sehr zu lieben wie Frau Irmler, aber das würde jetzt zu weit führen.«