Gespräch mit Niels Holle

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Schmieden einen teuflischen Plan: Lenny (Jascha Baum) und Wiebke (Valeria Eisenbart).
Schmieden einen teuflischen Plan: Lenny und Wiebke. | Bild: NDR/ARD Degeto / Gordon Timpen

Herr Holle, „Frau Irmler» stammt aus Ihrer Feder wie auch das Buch zu der "Nord bei Nordwest“-Folge "Ein Killer und ein halber“, die soeben abgedreht ist. Was hat Sie überzeugt, bei dieser Reihe mitzumachen?

Da musste ich ehrlich gesagt nicht lange nachdenken. Es gibt aus meiner Sicht nur ganz wenige Reihen im deutschen Fernsehen, bei denen das Konzept so gut aufgeht wie bei "Nord bei Nordwest". Charaktere, Ton, Geschichten, Darsteller – hier greift alles wunderbar ineinander und es macht einfach Spaß, sich das anzusehen. Will man da mitmachen, wenn man gefragt wird? Natürlich, und wie!

Eine verletzte Schildkröte als Auslöser für eine Katastrophe, deren Ausmaß Lona Vogt und Hauke Jacobs erst im Verlauf der Recherchen bewusst wird. Wie kamen Sie auf diese außergewöhnliche Idee?

Ich fand es interessant, eine Frauenfigur zu beschreiben, deren jahrelang erlittenen Misshandlungen in einer spontanen Gewalttat münden. Frau Irmler wurde sehr lange übel mitgespielt. Unter solchen Voraussetzungen reicht oft eine Kleinigkeit, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Dass es in ihrem Fall eine verletzte Schildkröte ist, liegt einfach daran, dass sie das Tier über alles geliebt hat.

Wie fühlt, wie denkt man sich als neuer Autor einer festen Reihe in die bereits vorhandenen, entwickelten Figuren und Figurenkonstellationen ein?

Je mehr man mit dem jeweiligen Format anfangen kann, desto besser klappt das in der Regel. Da der von Holger Karsten Schmidt geprägte Ton der Reihe aber etwas Besonderes ist, hatte ich schon ein bisschen Sorge, ob ich der Sache gerecht werden kann. Glücklicherweise haben die Produzentin Claudia Schröder, die Redakteure Donald Kraemer und Patrick Poch sowie auch Holger Karsten Schmidt selbst während der gesamten Entwicklung nie einen Zweifel aufkommen lassen, dass sie mir das zutrauen. Dafür kann ich mich an dieser Stelle nur bedanken.

Fiel es Ihnen leichter, den Mix aus trockenem, spröden Humor und nordischem Flair dieser Krimireihe zu bedienen, weil Sie selbst inzwischen ein Nordlicht sind?

Schwer zu beurteilen. Ursprünglich stamme ich ja aus dem Rheinland. Allerdings lebe ich schon so lange im Norden, dass es vielleicht schon einen gewissen Hang zu dieser Mentalität hier gibt.

Sie schreiben auch für die Reihe "Schuld" nach Ferdinand Schirach. Worin besteht für Sie der Reiz, für eine Reihe zu schreiben?

Da "Schuld" eine Literaturadaption ist, bei der es bewusst kaum Schnittpunkte zwischen den einzelnen Folgen gibt, lassen sich die beiden Reihen meines Erachtens nur schwer vergleichen. Aber der Reiz an einer Reihe wie "Nord bei Nordwest" ist natürlich, die Charaktere über den einzelnen Krimi-Fall hinaus zu begleiten und ihnen so mehr Tiefe und immer neue Facetten abzugewinnen.

Haben Sie eine Lieblingsszene in "Frau Irmler"?

Ja. Es ist die Szene, in der sich durch einen Motorradunfall die Schicksale von Frau Irmler mit denen der beiden Jugendlichen Wiebke und Lenny verbinden. Die Idee dieser Verbindung stand am Anfang von allem – ohne sie hätte es diesen Film so nicht gegeben.