Charakteranalyse von Sebastian

Reinhard Haller, in Österreich als psychiatrischer Gerichtsgutachter bekannt, hat die Charaktere der "Pregau"-Figuren analysiert.

Rasend vor Rachsucht: Sebastian (Thomas Schubert) will die Wahrheit über die Unglücksnacht, in der seine Schwester Rosa ums Leben kam, mit aller Gewalt herausfinden.
Sebastian

Junger Psychopath, Borderliner, Selbsthass

Sebastian ist der Typ des "männlichen Borderliners" und des jungen Psychopathen. Er hat offensichtlich keine Vaterfigur gehabt und wurde emotional von seiner "ausgeflippten" Mutter vernachlässigt. Daraus haben sich Selbstwertzweifel mit Selbsthass und Wutausbrüchen, depressive Verstimmungszustände und – als Spitze beider Entwicklungen – Suizidalität entwickelt. Er war deswegen schon in stationär psychiatrischer Behandlung.

Heimlich hat er sich in seine (Halb-) Schwester verliebt, wobei hier wiederum der unbewusste Inzestwunsch gespiegelt ist. Die Tiefe seines Schmerzes über den Tod von Rosa erklärt sich aus der sexuellen Komponente der. Er ist tief getroffen, zeigt eine echte Trauerreaktion (in der er sogar zu Tränen fähig ist) und entschließt sich zur Rache (besser gesagt: Er wird dazu getrieben). Er liebt eine jüngere Person aus dem Familienclan, sein Bruder Lukas eine ältere! Dies sagt einiges über ihr Selbstbild und ihren Selbstwert aus.

In der Rolle des "Lonely Wolf" kommen seine ganzen psychopathischen Züge zum Ausdruck: Rücksichtslosigkeit gegenüber sich selbst und andern, Unfähigkeit zur Schmerzempfindung, Verachtung fremder und auch der eigenen Person, hochgradiger Sadismus und primitives Betrinken mit Spirituosen. Er lebt seinen Hass ohne jegliches Gefühl der Empathie aus. Er ist weniger der Typ des malignen Narzissten als jener des hasserfüllten Psychopathen, der ohne Rücksicht auf sich und die Mitmenschen handelt. In gespannten Situationen reagiert er impulsiv-aggressiv, (was für eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung spricht), in andern abwartend-sadistisch und quälerisch. Trotz seines "irren Blickes" ist Sebastian nicht psychisch krank, vielmehr schwer persönlichkeitsgestört. Auf sein Selbstmitleid, aber auch seinen Narzissmus weist die Aussage hin, "keiner hat so geliebt wie ich".

Als Borderliner ist er im wahrsten Sinn des Wortes ein Wanderer zwischen zwei Welten: Jener der Normalität und der Psychose, zwischen Persönlichkeitsstörung und beginnender Schizophrenie. Die bei ihm beschriebenen Verhaltensweisen mit unmittelbarer und rascher Verstimmbarkeit, Umschlag der Stimmung von Depression in Hass, Wutausbrüche und pathologische Gekränktheit sind ebenso wie die Suizidalität und die Fremdaggressivität sowie die Gefühlsabtötung typische Symptome.

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