Statement Holger Karsten Schmidt

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Die Schattenseite des Sensationsjournalismus: Medienvertreter nehmen keine Rücksicht auf das Schicksal der Geisel Ines (Lilli Fichtner)
Szene aus dem Film: Medienvertreter nehmen keine Rücksicht auf das Schicksal der Geisel Ines (Lilli Fichtner). | Bild: ARD Degeto/Ziegler Film / Martin Valentin Menke

Autor Holger Karsten Schmidt

»Als zentrale Grundlage für die Entwicklung meiner Drehbücher haben mir die Untersuchungsausschussberichte aus Bremen und Köln gedient. Ergänzt wurde das durch viele Artikel zahlreicher Quellen, durch den Dokumentarfilmer Uli Weidenbach, einen ausgewiesenen Kenner der Materie, durch Dokumentationen, in denen Akteure und Betroffene von damals in der Retrospektive und vor allem mittlerweile außer Dienst neue Einblicke gewährt haben. Komplettiert wurde die Recherche abschließend durch Kilian Riedhof, der in seiner Drehvorbereitung noch persönlich mit Zeitzeugen sprach und die Bücher dann vor Dreh diesbezüglich ergänzt und präzisiert hat. Einige Dinge, die ich gerne gesichtet hätte, konnten nicht zur Verfügung gestellt werden, etwa das Interview von Frank Plasberg, das er mit den Geiselnehmern in der Schildergasse führte und das der SWR, der darüber verfügt, damals nicht ausstrahlte.

Als man mich mit den Drehbüchern beauftragte, hatte ich drei Anliegen. Ich wollte verstehen, warum die Polizei diese Odyssee nicht früher (und später so fatal) beendet und warum die vierte Gewalt im Zuge der fortgesetzten Geiselnahme das Augenmaß verloren hat. In diesem Sinne war die Prämisse meiner Arbeit nie eine Schuldzuweisung oder gar Verurteilung, sondern stets größtmögliche Aufklärung. Das dritte Anliegen war etwas schwieriger umzusetzen – nämlich den primären Opfern und Angehörigen auch eine Stimme zu geben, insbesondere jenen, die keine mehr haben. Die Medien von damals, die vorangegangenen Verfilmungen, sie alle rückten überwiegend die Täter ins Zentrum. Dort waren sie für mein Empfinden lange genug. Zu lange. Und natürlich kann man diese Geschehnisse nicht ohne die intensive Auseinandersetzung mit den Tätern erzählen, und sie auszusparen – was rein erzählerisch unmöglich ist – wäre darüber hinaus ebenso einseitig. Ich hoffe, wir haben in einer anstrengenden, intensiven Teamleistung den Blick auf die Gladbecker Geiselnahme um einen neuen ergänzt, in denen den Opfern mehr Raum zur Verfügung gestellt wird. Ich möchte noch, da diese Leistung in der Öffentlichkeit ungerechterweise immer zu kurz kommt, die großartige Bildgestaltung von Kameramann Armin Franzen hervorheben.«

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