Interview mit Alwara Höfels

Debbie (Alwara Höfels) wundert sich über ihren Sohn Jerôme (Maximilian Ehrenreich).
Debbie wundert sich über ihren Sohn Jerôme.

Sie bereiten sich immer sehr genau auf Ihre Rollen und das Thema vor. Wie haben Sie sich mit dem Thema Mutter eines hochbegabten Kindes zu sein auseinandergesetzt?

Die Erarbeitung meiner Rollen findet unterschiedlich statt. Entscheidend ist dem Thema und dem Menschen (der Figur) nahe- und nachzukommen. Die jeweilige Geschichte und Figur nachvollziehbar zu machen und ihr gerecht zu werden. Durch Literatur, Dokumentationen und echte Begegnungen. Ich traf zum Beispiel im Vorfeld durch Zufall eine Frau, die ein hochbegabtes Kind hat. Sie konnte mir hilfreiche Erfahrungen aus ihrem Alltag mit dem Kind beschreiben. Die Summe dieser Erfahrungen im Vorlauf und die Arbeit am Set mit Regie, Kollegen sowie Kamera, Kostüm, Maske, Szenenbild zeichnet dann im besten Fall ein konkretes authentisches Bild eines Menschen.

Mutter und Sohn könnten im Film nicht unterschiedlicher sein. Inwieweit glauben Sie, beeinflusst das Umfeld die Prägung eines Kindes?

Ich denke, dass die Persönlichkeitsentwicklung durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird. Grob kann man zwischen inneren und äußeren Variablen unterscheiden. Die inneren Faktoren meinen z.B. psychologische Prozesse, das Umfeld gehört sicherlich zu den äußeren Variablen. Die Lebenswelt in der ein Kind aufwächst, der soziale Kontext, die Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft und deren jeweilige Institutionen sind sicherlich entscheidend für die Persönlichkeitsentwicklung und Prägung.

Sie sind als Tochter zweier Schauspieler aufgewachsen. Hat das Ihren Werdegang beeinflusst?

Mit Sicherheit gibt es ein besonderes Selbstverständnis und Bewusstsein für den Beruf, lange bevor ich die Entscheidung getroffen habe, selbst Schauspielerin zu werden. Es gibt kein verklärtes Bild zu diesem Beruf und keinerlei Illusionen. Das ist und war definitiv ein Vorteil und hat mich dementsprechend beeinflusst und geprägt.

Ihren Durchbruch hatten Sie in der Rolle einer Kindergärtnerin in "Keinohrhasen". In "Fack Ju Göthe" spielten Sie eine Lehrerin und gerade wurde das "Doppelte Lottchen" mit Ihnen in der Rolle der Mutter abgedreht. Ist es eine besondere Herausforderung mit Kindern vor der Kamera zu stehen?

Kinder sind oftmals meine Lieblingskollegen. Die Arbeit mit Kindern ist immer besonders, aber auch manchmal unberechenbar. Ein Geschenk einerseits, weil Kinder sehr unmittelbar und authentisch sein können. Im besten Fall nicht spielen sondern einfach sie selbst sind. Da sie aber kein Handwerk zu Verfügung haben (wie auch und richtig so – es sind Kinder) muss man sich auf eine besondere Arbeitsweise einlassen und oftmals andere Übersetzungen für die jeweilige Arbeitssituation finden. Das fordert einen und das empfinde ich als Motor für die Arbeit.

In "Mein Sohn, der Klugscheißer" fällt es Debbie sehr schwer, ihren Sohn loszulassen. Können Sie das nachvollziehen?

Das ist sicherlich ein großes, schwieriges Thema für die Figur Debbie auch aufgrund ihrer Biografie. Sie ist alleinerziehend und ihr Lebensmittelpunkt ist der Sohn. Debbie wird durch die Hochbegabung des Kindes sehr früh mit dem Thema konfrontiert. Sie geht erst mal von sich aus, ihren Erfahrungen und Nöten, und begreift auf Raten, dass sie die Perspektive wechseln muss, um ihrem Kind gerecht zu werden. Das Thema Loslassen betrifft glaube ich alle Eltern früher oder später und meint immer erst mal einen Weg für beide Seiten zu suchen, aber am Ende eben auch eine Chance.

Als Debbie, eine lebensfrohe Busfahrerin, sehen wir Sie mit viel Make-up und im "Proll-Look". Hat Ihnen diese Verwandlung Spaß gemacht?

Das macht sehr viel Spaß und in diesem Fall hatten wir hervorragende Gewerke. Die Masken- und die Kostümabteilung waren großartig! Sehr mutig und inspirierend, ein Geschenk.

Sie haben bereits zum zweiten Mal mit Pia Strietmann zusammengearbeitet. Was zeichnet die Zusammenarbeit aus?

Vertrauen! Pia Strietmann liebt ihre Arbeit und ihre Schauspieler. Sie beherrscht ihr Handwerk und arbeitet für die Sache. Sie ist mit allen Gewerken auf Augenhöhe. Wir verstehen uns mittlerweile blind. Ich hoffe, dass wir noch viele gemeinsame Arbeiten miteinander machen dürfen – sie ist ein toller Mensch.

3 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird sobald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.