Gespräch mit Lothar Kurzawa und Volker Einrauch

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Das Spiel ist aus und Inga (Jeanette Hain) verliert die Nerven.
Das Spiel ist aus und Inga verliert die Nerven. | Bild: NDR / Alexander Fischerkoesen

Warum mögen Sie Figuren, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen?

VE: Ich denke, weil wir uns selber darin sehen. Man hat doch oft selbst das Gefühl, ein Loser zu sein, denn man erlebt viele Niederlagen im Leben, die man verdauen muss. Wenn es umgekehrt wäre und immer nur alles toll und großartig liefe – daraus ließe sich kaum eine Komödie stricken. Komödien sind immer mit Charakteren verbunden, die auch Loser sind.
LK: Es will ja keiner auf der Schattenseite leben. Jeder hat seinen Traum und versucht, aus seinem „Elend“ herauszukommen. Gerade für eine Komödie ist es immer spannend zu sehen, wie sich jemand abstrampelt und es klappt vielleicht trotzdem nicht – oder es klappt dann doch mal.

Bis auf Bruno und Kyra, sind alle Figuren an einem Punkt, wo sie ihre Träume überprüfen müssen. Wie gelingt es, so ein melancholisches Thema komödiantischen zu erzählen?

LK: Ich finde es eigentlich immer schwieriger, ein Drama zu erzählen als eine Komödie – obwohl es technisch einfacher ist. Für ein Drama braucht es einen Konflikt, der so gravierend ist, so staatstragend, dass man sich sagt, da gibt es eigentlich nichts zu lachen. Die meisten Stoffe oder Figurenkonstellationen, die uns begegnen, sind aber so, dass sie schon einen komödiantischen Ansatz haben.

Musik spielt eine große Rolle in Ihrem Film – wie kam es dazu?

LK: In den ersten Büchern haben wir uns vor allen Dingen am Krimiplot entlang gehangelt. Dann ist uns nach und nach klargeworden, dass die Musik einen großen Anteil an der Geschichte hat, der sich auch in der Form niederschlagen muss. Deshalb zum Beispiel die Entscheidung für das etwas operettenhafte Ende. Wir hatten ursprünglich einen richtigen Krimi-Showdown mit Schießerei und Flucht. Dann haben wir gedacht, das ist eigentlich nicht angemessen für unseren Stoff.
VE: "Father and Son" von Cat Stevens war natürlich thematisch klar. Das ist ein Stück, das auch ans Herz geht. Aber das andere, das sind Erinnerungen.

Wie haben sich die beiden Genres, Musikfilm und Kriminalkomödie, gegenseitig befruchtet?

VE: Es war eine Herausforderung, denn es sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die Figur des Musikers gab es schon auch in den vorigen Fassungen. Es war angelegt, dass dieser Vater einer ist, der eine merkwürdige, halbe Musikerkarriere hinter sich hat. Gleichzeitig hat er eine kriminelle Energie. Die Herausforderung war es, beidem gerecht zu werden.
LK: Man hätte den Krimi, der relativ vielschichtig angelegt ist, ja auch ganz anders erzählen können. Befruchtet hat uns das Musikgenre insofern, als wir uns noch mehr als normalerweise gefragt haben, wie man das alles möglichst einfach erzählen kann.

Sie arbeiten als Produzenten und Autoren mit Ihrer Regisseurin, Ko-Autorin und Ko-Produzentin im Dreierteam. Wie muss man sich das praktisch vorstellen?

LK: Wir leben ja nicht nur davon, dass wir Produzenten oder Macher von Josefine Film sind. In der Regel macht jeder sein eigenes Ding, und dann überlegen wir uns alle zwei, drei Jahre, was der nächste Josefine-Stoff sein könnte. Das ist einerseits spannend, weil jeder in der Zwischenzeit neue Erfahrungen gemacht hat, aber andererseits ist es auch immer wieder schwierig, weil alle einverstanden sein müssen. Wir brauchen in jedem Fall einen Konsens.
VE: Jeder versucht, für seine Gedanken eine gewisse Überzeugungsarbeit zu leisten. Zwischendurch kommt es ja oft vor, dass man denkt, das war jetzt nicht so eine gute Idee, der andere hat recht, das bringt es irgendwie nicht – das passiert oft. In manchen Situationen gibt es Konflikte und dann spitzt sich das zu, aber dann muss man eben Überzeugungsarbeit leisten.
LK: Ja, wir diskutieren sehr viel. Wichtig ist, dass man sich auf den Prozess einlässt, dann setzt sich die beste Idee am Ende durch. Irgendwann entwickelt man ein Vertrauen, dass sich die Geschichte in die richtige Richtung entwickelt. Es ist schwierig genug, dass man nicht wiederholt, was schon einmal gut funktioniert hat, sondern sich eine neue Lösung überlegt. Noch ein Vorteil ist, dass es bei uns nicht mehr darum geht, welche Idee von wem kommt, und wer sich durchgesetzt hat. Ich glaube, selbst wenn man wollte, könnte man das am Ende gar nicht mehr sagen.
VE: Oft kämpft man an der gleichen Front: Man hat ein Problem oder etwas klappt nicht, dann müssen wir einen anderen Weg gehen. Es hat sich bisher jedoch nie ergeben, dass wir vollkommen unterschiedliche Filme machen wollten. Dazu arbeiten wir schon zu lange gemeinsam. Wir wissen, welche Art von Filmen wir machen wollen. Das ist der Grund, warum es in unserem Dreierteam klappt.

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