Fragen an Hermine Huntgeburth

Regisseurin

Mit Loser-Gen auf die Welt gekommen: Siggi (Matthias Bundschuh) und Roy (Martin Brambach).
Mit Loser-Gen auf die Welt gekommen: Siggi und Roy. | Bild: NDR / Alexander Fischerkoesen

"Tödliches Comeback" ist eine Kombination aus Kriminalgeschichte und Musikkomödie. Worin bestand für Sie die besondere Herausforderung?

Die Komödie stand eindeutig im Vordergrund. Dabei ging es mir um eine große Fallhöhe. Das seriöse, ordnungshütende Prinzip, für das Bruno steht, wird kontrastiert durch Chaos, Willkür und eine sehr freie Auslegung von Recht und Ordnung – in Gestalt von Roy. Der Vater dreht sich die Wahrheit einfach so wie er will. Der Sohn wiederum ist durch die Erfahrung mit diesem Vater moralisch extrem gefestigt. Das sind alles sehr feine und wichtige Punkte, um eine gute Komödie zu machen.

Was war Ihnen bei der Inszenierung besonders wichtig – was trägt den Film?

Die Konstellation der Schauspieler. Es gab mit dem Drehbuch eine hervorragende Vorlage und ich habe von der Besetzung her einen Gegensatz gesucht, der so groß wie möglich sein sollte. Denn es ist Teil der Komik, dass Gegensätze aufeinanderprallen. Ich glaube, dass Martin Brambach und Ben Münchow eine kongeniale Verbindung haben. Genauso habe ich darauf geachtet, dass sich die Figuren Siggi und Roy im Prinzip sehr unterscheiden aber eben auch ergänzen. Siggi ist jemand, der auf Roy aufpasst, und Roy ist eben unberechenbar in seiner Emotion. Ich finde, dass die Konstellation der Schauspieler besonders gelungen ist.

Welche Rolle spielt die Melancholie der Figuren für Ihren Film?

Es ist eine Komödie und keine Comedy. Das ist der große Unterschied. In der Komödie ist natürlich viel mehr Menschlichkeit drin. Es geht um Verlierer, die man ins Herz geschlossen hat. Es geht nicht nur um äußerliche Gags, sondern auch um Dinge, die einen menschlich berühren. Jack Lemmon ist ein gutes Beispiel dafür: Er ist einerseits komisch, zum anderen hat er großes Sentiment. Genau das habe ich versucht, in meinen Figuren zu finden.

Wie nähern sich die Figuren einander an?

Sie kennen sich ja eigentlich gar nicht, nur aus der Vergangenheit. Weil sie eine Krise miteinander durchleben, nähern sie sich einander an. Mir lag daran, die Figuren in die Extreme zu treiben – und dass man es schafft, bei aller Schrägheit glaubwürdige Figuren zu erzählen. Dafür ist das richtige Timing von zentraler Bedeutung. Das kann nicht jeder Schauspieler. Man muss die Pointen richtig setzen und es muss auch von innen kommen. Martin Brambach und Ben Münchow haben diese schwere Aufgabe hervorragend gelöst.

Welche Rolle spielt die Musik?

Die Musik verkörpert die Leidenschaft und zugleich die Kraft der Kunst. So kann sich beispielsweise Bruno über die Musik wieder der Welt öffnen. Die Songs, die wir verwendet haben, waren schon relativ früh da. Die haben schon im Drehbuch gestanden. „Father and Son“ hat natürlich sehr viel mit dem zentralen Thema des Films zu tun. Für uns ist es wichtig, dass die Musik nicht nur untermalt, sondern als zusätzliches Element, als eigener Charakter, die Bilder und den Film erweitert und vergrößert. Und das ist dem Komponisten Biber Gullatz und seinem Kollegen Andreas Schäfer sehr gut gelungen.

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