Fragen an Ben Münchow

Was geht in Roman Seidels Haus vor? (Martin Brambach, Ben Münchow, Matthias Bundschuh)
Was geht in Roman Seidels Haus vor?  | Bild: NDR / Alexander Fischerkoesen

Was hat Sie am Drehbuch angesprochen?

Zunächst einmal fand ich bereits den Einstieg in den Film mit der ersten Szene schräg und neu. Ein absurdes Gespräch zweier Kollegen, die über Liebe oder genauer über Brunos Flehen, von Kyra geliebt zu werden, verhandeln. Sie sprechen darüber, als wären Gefühle nichts weiter als ein Gegenstand, den der eine vom anderen haben möchte, aber dieser ihm nicht aushändigen möchte. Das hat mich bereits so amüsiert, dass ich unbedingt weiterlesen wollte. Und ähnlich absurd zieht es sich durch das gesamte Buch. Zusätzlich habe ich mich in Brunos Art verliebt. Durch seine Naivität und absolute Gutgläubigkeit, die von den anderen böswillig als Dummheit ausgelegt wird, merkt er zunächst gar nicht, wie sehr er unterschätzt wird oder wie abfällig Leute mit ihm umgehen. In ihm schlummert zwar etwas Großes, aber es ist eben noch im Halbschlaf, gerade dabei die Augen zu öffnen.

Welche Rolle spielten Musik und die Möglichkeit, zu singen?

Tatsächlich wollte ich das eigentlich gar nicht mehr unbedingt kombinieren. Aber in dieser Geschichte passt das so gut zusammen. Es ist kein Musical oder ein Musikfilm, sondern eben ein Film über einen jungen Mann, der seine musikalische Karriere hinter sich lassen will, diese ihn aber immer wieder einholt. Das mochte ich. Nun will ich – Ben – meine Musik nicht hinter mir lassen. Das war ja auch ein großer Teil von mir – ist es noch immer. Aber ich wollte eben ungern der singende Schauspieler sein, was nicht heißen soll, dass ich nicht mal Lust hätte einen Filmsoundtrack zu machen.

Wie haben Sie sich auf die Gesangsszenen vorbereitet? Was waren dabei die besonderen Herausforderungen?

Zur Vorbereitung habe ich zunächst einmal die Texte der Songs gelernt. Also, egal wo ich war, immer die Songs auf dem Ohr gehabt und laut mitgesungen. So geht das bei mir am schnellsten. Dann habe ich von Biber Gullatz die Playbacks ohne Stimme bekommen und dazu gesungen. Und dann hatten wir zusätzlich natürlich einige Gesangsproben unter der Leitung von Biber. Da kamen dann alle zusammen und haben musiziert, was bei einer Horde Schauspieler für Biber auch wahrscheinlich kein Leichtes war. Ich meine da standen viele Instrumente rum, wer kann da stillhalten?!

Macht Bruno Roy zu einem besseren Menschen und umgekehrt?

Roy muss kein besserer Mensch sein, das wäre etwas hochgegriffen. Beide Parteien, sowohl Bruno als auch Roy, forderten eine große Toleranz und Akzeptanz vom jeweils anderen. Es ist schwierig, seinen Vater, der sich scheinbar nicht verändert hat, nach zehn Jahren wiederzusehen, aber genau so geht es auch Roy. Sein Sohn ist all das geworden, was er nie für Bruno gewollt hätte. Vielleicht war das sogar eine innere Trotzreaktion von Bruno auf das Verschwinden und Fernbleiben seines Vaters. Und durch die Begegnung der beiden nach dieser langen Zeit können beide vom Gegenüber viel lernen, da es oft mehrere Meinungen und Wege gibt. Wenn man sich aber darauf einlässt und probiert zu verstehen, denke ich, bringt es einen viel weiter als einfach abzublocken.

Welche Rolle spielen Hoffnung und Glaube?

Der Glaube an sich selbst spielt eine große Rolle in diesem Film. Roy – egal, ob andere sagen, dass er gescheitert ist – glaubt ganz stark an sich und daran, dass Bruno und er zusammengehören: als Familie und als Band. Bruno hofft, dass es nicht so kommen wird, aber er glaubt an andere Dinge. Egal wie oft er hört, dass er nicht das Zeug zu einem guten Polizisten hat, glaubt so stark daran, dass er es ist und noch viel besser werden wird. Dass er alles schaffen kann – eben auch den Job bei der Mordkommission zu bekommen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Martin Brambach und Elisa Schlott erlebt?

Mit Martin war es großartig. Nichts anderes kann ich über Elisa sagen. Beide gehören zu den Kollegen, die dir so viel geben beim Spiel, dass es sich nicht wie Arbeit anfühlt. Martin hat eine so große Spielfreude und probiert immer neue Dinge aus und kann dir durch seine Erfahrung zu vielen Situationen eine passende Anekdote liefern. Und steht immer mit Rat und Tat zur Seite. Wir haben so unendlich viel gelacht. Ebenso mit Elisa, die schon so ein Vollprofi am Set ist und so viel einbringt an Ideen. Es war mir ein Fest mit solchen Schauspielern zu arbeiten.

Die "Roy‘s Four" tourten mit dem 8-jährigen Frontmann Bruno durch die Lande. Für Sie vorstellbar?

Also vorstellbar ist ja alles. Aber dadurch, dass ich mit meiner Band „kollektiv22“ auch viele Touren gemacht habe und weiß, was es bedeutet, kein Zuhause zu haben und jeden Tag woanders aufzuwachen, würde ich das einem Achtjährigen nicht zumuten wollen, auch wenn ich persönlich es geliebt habe. Aber ich war halt auch 23 und wusste wo mein Zuhause ist.

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