Max Riemelt spielt Jan

Max Riemelt
Max Riemelt als Jan. | Bild: NDR / Mark Monheim

Zur Rolle

Eigentlich ist Jan Berufssohn. Seine Buchhandlung hängt an den Finanzspritzen seiner Mutter. Er verkauft ihre Bücher und veranstaltet Autorenlesungen – darunter: seine Eltern. Jans Obsession ist Marcel Proust. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit jagt er Erinnerungen nach an Erlebnisse, die er nie gemacht hat. Seine Neurosen, seine Verklemmtheit, seine Lebensuntüchtigkeit sind willkommenes Material für seine Jugendfreundin Hannah, die als Stand-up-Comedian das Geschlechterverhältnis aufs Korn nimmt. Als sich Jan verliebt, scheint ein unmöglicher Traum in Erfüllung zu gehen: eine schöne, geistreiche Frau, die Literatur liebt und Proust verehrt. Sie ist die Verkörperung seiner Checkliste für potenzielle Partnerinnen. Fast beruht es auf Gegenseitigkeit: Rosalie mag Jan sehr, sie will mit ihm schlafen, sie will ein Kind mit ihm. Aber die Sache hat einen Haken, sie liebt seine Mutter.

Der Schauspieler

Max Riemelt, 1984 geboren, spielte mit 14 Jahren seine erste Hauptrolle in der Weihnachtsserie "Zwei allein" (1989, Regie: Matthias Sturer). Seine erste Kinohauptrolle war die im Kinderfilm "Der Bär ist los" (1999, Regie: Dana Vàvrovà). Mit "Mädchen, Mädchen" (2000) beginnt die langjährige Zusammenarbeit von Max Riemelt mit Regisseur Dennis Gansel. Weitere gemeinsame Arbeiten sind der international ausgezeichnete Film "Napola – Elite für den Führer" (2005) sowie "Die Welle" (2007) und "Die vierte Macht" (2012).

Auch seine Zusammenarbeit mit Dominik Graf ist preisgekrönt: Für seine Rolle in "Der Rote Kakadu" (2006) wurde Max Riemelt mit dem Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Der Krimimehrteiler "Im Angesicht des Verbrechens" (2010) wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis für das Ensemble geehrt und bereitete Max Riemelt den Weg vom Nachwuchstalent zum Charakterdarsteller. Weitere Arbeiten von Max Riemelt sind die internationalen Produktionen "PlayOff" (Regie: Eran Rekli), "Warschau 44" (Regie: Jan Komasa) und die Hauptrolle in der Science-Fiction-Serie "Sense8" (Produzenten: Tom Tykwer und die Wachowskis). 2018 stand Max Riemelt u. a. für "Ernesto’s Island" (Regie: Ronald Vietz) und für BBC One in "World on Fire" vor der Kamera.

Gespräch mit Max Riemelt

"Die Freundin meiner Mutter" ist erst Ihre dritte Komödie. Warum sieht man Sie so selten in leichten Filmen?

Es wäre zu viel behauptet, ich hätte mir das alles so zurechtgelegt. Sachen ergeben sich. Mit der Komödie "Mädchen, Mädchen" von 2001 hat es bei mir richtig angefangen, Jahre später gab es noch den lustigen Film "13 Semester". Es ist tatsächlich so, dass ich des Öfteren die harten Stoffe und die harten Charaktere spiele. Umso mehr habe ich mich auf diese Komödie gefreut. Ich bekam das Drehbuch auf den Tisch und hatte das Gefühl, dass alles passte: ein leichter Stoff, gute Leute und ein spannendes Thema. Ich fand es auch reizvoll, einmal den Gedanken durchzuspielen, welche Möglichkeiten sich für gleichgeschlechtliche Paare in der liberalen Gesellschaft ergeben, eine Familie zu gründen. Und was es für andere bedeutet, die nicht im freien Westen leben, keine Kinder haben zu können.

Verfolgen Sie die aktuellen Genderdebatten über Männer und Frauen und die Geschlechterrollen?

Absolut! Ich habe in den vergangenen Jahren mit der Regisseurin Lana Wachowski die internationale Netflix-Serie "Sense8" gedreht. Sie war früher ein Mann. Wir haben auch in Ländern in Asien, Afrika und Südamerika gearbeitet, in denen die Freiheit stark eingeschränkt ist und homosexuelle Menschen heftige Schicksale erleiden. Dort kann man sich überhaupt nicht vorstellen, über das Genderthema eine Komödie zu machen.

Sie spielen hier einmal nicht den harten Kerl, sondern einen erfolglosen Buchhändler. Ist Ihre Figur ein Nerd?

Viele halten ihn dafür. Ich würde sagen, Jan hat sich spezialisiert. Er ist der Literatur verfallen, tritt ein wenig weltfremd auf und will mit seinem Intellekt bestechen. Darin ist ihm sein 68er-Vater ein großes Vorbild. Seine Eltern haben ihm vorgelebt, Probleme lieber zu diskutieren anstatt sie mit physischem Einsatz auszuräumen. Es gehört aber zu seinen Stärken, sich keinen Kopf darüber zu machen, wie er auf andere wirkt.

Verbindet Sie etwas mit ’68 und mit der späteren Frauenbewegung?

Nein, ich bin da nicht so verkrampft, was weltanschauliche Vorstellungen angeht. Ich mag es, wenn Leute eine gesunde Mischung aus beiden haben: aus Wildheit und Eigenständigkeit und aus Struktur und Kontinuität. Man sollte wissen, was für einen selber gut ist und die anderen nicht zwingen, das ebenso zu sehen. Im Film achtet Jan darauf, jeden Einzelnen in seiner Familie mit Respekt zu behandeln. So bin auch ich erzogen worden.

In einer Szene bekommt Jan von drei Frauen der Reihe nach zwei Ohrfeigen und einen Tritt in die Weichteile. Warum wird der Held so arg gerupft?

Hier werden auf komödiantische Art Wünsche vorgeführt, die nicht nur Frauen haben. Davon träumt doch jeder einmal, entweder besonders schlagfertig zu sein oder sich im Ausnahmefall handgreiflich durchzusetzen, ohne dass es ernsthafte Konsequenzen hätte. Es handelt sich um eine kleine Realitätsflucht, und wenn sie gut inszeniert ist, bin ich ein großer Freund solcher Szenen. Davon abgesehen geben die Frauen im Film klar den Ton an. Jan wird von seiner Mutter emotional erpresst. Sie hält ihm mutwillig ihre Enttäuschung vor, als er es anfangs ablehnt, seinen Samen zu spenden. Auch mit ihrem Geld übt sie mächtig Druck auf ihn aus.

Dürfte die Samenspende auf konservative Zuschauer nicht etwas verstörend wirken?

Die Samenspende ist natürlich der absurde Höhepunkt der Komödie. Mir hat es aber gefallen, dass der Film nicht zu sehr auf die Sexualität und diesen einen Plot abhebt. Ich finde die Emotionen, die Jan für die Freundin seiner Mutter entwickelt, viel interessanter. Es geht für ihn nicht darum, ein Kind mit ihr zu machen, sondern seiner Mutter die Geliebte auszuspannen. Er will nicht akzeptieren, dass seine Traumfrau lesbisch ist und dass er sie nicht herumkriegen kann. Auch der gesellschaftliche Aspekt ist spannend. Das Absurde ist doch, dass man über bestimmte Themen erst gar nicht reden möchte. Weil sie von vornherein ein Tabu sind. Damit möchte man nichts zu tun haben. Das finde ich schade. Unser Film kann die Zuschauer anregen, darüber nachzudenken, was in der freien Welt machbar ist und woanders böse Folgen hat.

Was finden Sie lustig?

Ich bin nicht der Typ, der laut über Gags lacht. Mir geht es eher um die Art und Weise, wie etwas rüberkommt. Um die Blicke, die Pausen, das Herumgedruckse. Als sich Jan zum ersten Mal mit der Freundin seiner Mutter trifft, beginnt er plötzlich zu stammeln, wie es denn mit ihr wäre und ob sie nicht auch Bock hätte. Das finde ich sehr komisch. Seit Loriot wissen wir ja, dass nichts lustiger ist als der ganz normale Alltag mit seinen Absurditäten.

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