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Wie ein Stück Mondgestein ins Nördlinger Ries kam

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Wie ein Stück Mondgestein ins Nördlinger Ries kam | Video verfügbar bis 30.03.2024 | Bild: SWR

Das Nördlinger Ries, an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern, ist geologisch Interessierten ein Begriff. Hier kann man den 20 Kilometer breiten Einschlagskrater eines Asteroiden durchwandern, der vor etwa 15 Millionen Jahren auf die Erde traf. Im Rieskratermuseum der Stadt Nördlingen kann man neben Gesteinsproben und Fossilien aus der Region ein Ausstellungsobjekt bewundern, das auf den ersten Blick überhaupt nicht hierhin gehört: ein Stück Mondgestein. Wie kommt eine Probe vom Mond ausgerechnet nach Nördlingen?

Die Krater-Frage

Computer-Animation eines Asteroideneinschlags mit glühender Rauchwolke.
Das Nördlinger Ries entstand durch einen Asteroideneinschlag vor 15 Mio. Jahren. | Bild: SWR

Nachdem durch die Apollo-11-Mission die Machbarkeit von Mondlandungen unter Beweis gestellt worden war, ging es in den folgenden Missionen zunehmend auch um wissenschaftliche Forschung. Unter anderem sollten geologische Proben von der Mondoberfläche endlich klären, wie die Mondkrater entstanden waren. Vulkanische Prozesse waren im Gespräch, aber die meisten Forscher tippten auf Asteroideneinschläge. Nur fehlte ihnen ein endgültiger Beweis. Einig war man sich allerdings darin, dass das Nördlinger Ries ein Einschlagskrater ist, denn hier fand man das Gestein Suevit, ein Gemisch aus zermahlenen und teilweise aufgeschmolzenen Grundgesteinsschichten. Suevit entsteht nur unter so enormem Druck, wie er bei einem Asteroideneinschlag ("Impakt") herrscht, nicht aber bei geringeren Drücken, wie sie für Vulkanausbrüche typisch sind.

Die Logik der NASA: Wenn wir in den Mondkratern ebenfalls Suevit finden, ist klar, dass es sich um Impaktkrater handelt. Nun mussten sie ihren Astronauten nur noch irgendwie beibringen, wonach sie suchen sollten.

Apollo-Astronauten klopfen Steine

Menschen bei einer geologischen Exkursion in einem Steinbruch.
Apollo 14-Kommandant Alan Shepard (links) und Dieter Stöffler (rechts, kariertes Hemd) beim Steineklopfen im Ries im Juli 1970.  | Bild: Otto Hahn

Im Juli 1970 ging es für die Astronauten Alan Shepard, Ed Mitchell (beide Apollo 14) und Gene Cernan (Apollo 17) auf Exkursion ins Nördlinger Ries. Dort zogen sie mit Geowissenschaftlern der Universität Tübingen durch die Steinbrüche. Dieter Stöffler schulte die Astronauten damals im Umgang mit dem Geologenhammer und zeigte ihnen, woran sie Suevit erkennen können – in der Hoffnung, dass sie die richtigen Gesteinsproben vom Mond zurückbringen würden.

Dieses "field training" zahlte sich aus. Unter den Proben, die die Apollo-Missionen vom Mond zurückbrachten, fand sich tatsächlich Suevit. Der Beweis für die Entstehung der Mondkrater durch Asteroideneinschläge war erbracht. Und zum Dank für das erfolgreiche Coaching im Ries vermachte die NASA der Stadt Nördlingen ein Stück Suevit vom Mond, das man noch heute im Rieskratermuseum bewundern kann.

Autor: Dirk Neumann (SWR)

Stand: 18.07.2019 11:01 Uhr

Sendetermin

Sa., 30.03.19 | 16:00 Uhr
Das Erste

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Norddeutscher Rundfunk
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