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Menschen mit Mission

Wie Künstler versuchen, unseren Planeten zu retten

Wie Künstler versuchen, unseren Planeten zu retten | Video verfügbar bis 19.11.2018 | Bild: AFP / ALFREDO ESTRELLA

Diese Woche ist der UN-Weltklimagipfel in Bonn zu Ende gegangen. Was bleibt? Erschreckende Zahlen, schockierende Bilder und der Eindruck, dass die große Politik zu viel redet und zu wenig tut, um die Klimakatastrophe zu verhindern.

Doch für Resignation ist keine Zeit. Das haben auch die vielen NGOs, Umweltaktivisten und Künstler bewiesen, die in Bonn für einen Wandel in der Klimapolitik demonstrierten. Wie es geht, Verantwortung zu übernehmen und selbst etwas zu tun, das zeigt das Beispiel dreier Menschen, die sich auf ihre Art für die Rettung unseres Planeten engagieren. ttt stellt sie vor.

Xiuhtezcatl Martinez' Kampf gegen Fracking

Er ist erst 17 Jahre alt und der Star der amerikanischen Umweltbewegung: der Aktivist und Rapper Xiuhtezcatl Martinez. Gemeinsam mit seiner Familie lebt er in Colorado, in einer Region, die bekannt ist für ihre riesigen Öl- und Erdgasvorkommen. Hier wird an rund 60.000 Orten Erdgas durch Fracking gewonnen – mit unabsehbaren Folgen für Mensch und Natur. Dagegen rührt sich Widerstand, angeführt von Xiuhtezcatl Martinez, der mit einer Gruppe von Mitstreitern die US-Regierung verklagt hat.

Besuch im Hambacher Forst

Xiuhtezcatl Martinez
David gegen Goliath | Bild: Image Stock

Zurzeit ist er auf Deutschland-Besuch, um seine Bewegung, die "Earth Guardians", und sein Buch "We Rise: The Earth Guardians Guide to Building a Movement That Restores the Planet" vorzustellen. Und um sich mit den deutschen Umweltschützern zu solidarisieren. Gerade war er bei den Aktivisten, die seit Jahren den Hambacher Forst besetzen.

Für den Klimaschutz ist der Hambacher Forst Symbol und Menetekel. Stück für Stück fällt das einst größte Waldgebiet Nordrhein-Westfalens dem Braunkohletagebau zum Opfer. Dagegen wehren sich die Aktivisten. Doch schon in der kommenden Woche könnte ein Gerichtsurteil RWE Power den Weg zur weiteren Rodung freimachen. "Ich bin lieber hier als auf der COP in Bonn", sagt Xiuhtezcatl Martinez. "Hier, bei den Leuten im Wald, da ist die Energie! Den Wald gibt es seit 12.000 Jahren. Kämpfen, um ihn zu verteidigen, das ist höchst ehrenvoll."

Xiuhtezcatl Martinez selbst wurde in eine Familie von Umweltschützern geboren. Seine Mutter Tamara gründete vor 25 Jahren die "Earth Guardians". Vater Siri ist aztekischer Abstammung und hat seine Kinder in der Tradition seiner Ahnen erzogen. Schon als kleiner Junge hat er bei Demonstrationen mitgemacht. 2015 sprach er vor den Vereinten Nationen über den Klimawandel – als jüngster Redner überhaupt – und warnte die Delegierten: "Was jetzt auf dem Spiel steht, ist die Existenz meiner Generation." Die Jungen will er auch als Rapper motivieren. "Wir brauchen die Politiker, wir brauchen die UN, wir brauchen das Pariser Klimaabkommen. Vor allem aber brauchen wir Aktionen an der Basis so wie hier im Hambacher Forst."

Sam Hopkins' "Verehrung" des Plastiks

Sam Hopkins
Der Künstler Sam Hopkins | Bild: WDR

In Bonn mit dabei war der britisch-kenianische Künstler Sam Hopkins mit einer vielbeachteten Installation. Auf den Vorplatz des Kunstmuseums hatte er einen Stahlcontainer gestellt als Teil einer Zukunftsvision, in der die endlichen Ressourcen erschöpft sind. Es gibt kein Öl mehr und auch keinen Kunststoff, was sämtliche Plastikobjekte zu etwas Außergewöhnlichem macht.

In "The Ministry of Plastic" werden sie gehortet und als Rarität ausgestellt. "Ich untersuche die Beziehung, die Leute zu Plastik haben in einer Zukunft, in der es extrem wertvoll ist. Die Idee ist, dass der Besitz von Plastik kontrolliert wird, weil es nur wenig davon gibt. Also entbrennt ein Wettbewerb darum."

Wie sich die Verknappung der Ressourcen anfühlt, konnten die Besucher selbst erleben. Sie waren aufgefordert, ihren "unerlaubten" Plastik-Besitz anzuzeigen und Kunststoffobjekte abzugeben – eine Umkehrung der Realität, in der die Welt am Plastikmüll zu ersticken droht.

Vermessung der Welt

Alastair Bonnett
Alastair Bonnett | Bild: Louis Holland

Wie sich unser Planet verändert, das lässt sich ganz unterschiedlich darstellen: in Büchern, Reportagen, Fotos und Filmen. Alastair Bonnett geht einen anderen Weg. Er erzählt mit Karten Geschichten.

Der britische Soziograph weiß, wie man komplexe Zusammenhänge anschaulich darstellt: Er verdichtet Erkenntnisse in einprägsamen Schaubildern. "Gute Karten sind Wissenschaft und Kunst zugleich", sagt er. "Sie zeigen uns die Verbindungen zwischen den Orten und bringen uns dazu, über den lokalen und nationalen Tellerrand hinauszuschauen."

Überraschende Einsichten

Karte zum weltweiten Flugverkehr
Karte zum weltweiten Flugverkehr | Bild: Lizenziert unter: CC-BY-SA, http://www.martingrandjean.ch/connected-world-air-traffic-network/

In seinem Buch "Atlas unserer Zeit" macht er auf fünfzig doppelseitigen Weltkarten Phänomene anschaulich, die schwer zu erfassen sind: Artenvielfalt und Luftverkehr, Flüchtlingsströme und Bevölkerungsdichte, Zuckerkonsum und Waffenbesitz. In begleitenden Essays erläutert er die Zusammenhänge. Es sind überraschende Einsichten, die uns veranlassen, die Bedrohung unseres Planeten unter einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Die Karten zeigen, wo sich Wüsten ausbreiten, Meere vermüllen und Wälder verschwinden. Mancherorts sind auch positive Veränderungen erkennbar. Doch es sind längst nicht genug, sagt Alastair Bonnet. Damit es mehr werden, braucht es Vorstellungskraft, Phantasie und Engagement. Mit seinem Atlas will er dazu beitragen – ebenso wie mit seinem ersten Buch "Die seltsamsten Orte der Welt", in dem er unbekannte, verletzte und bedrohte Räume vorgestellt hat. "Ich bin immer auf der Suche nach Informationen und Orten, die mich raus aus meiner Komfortzone holen."

Buchtipps

Alastair Bonnett: Atlas unserer Zeit.
50 Karten eines sich rasant verändernden Planeten
DuMont 2017, Preis: 29 Euro

Alastair Bonnett: Die seltsamsten Orte der Welt.
Geheime Städte, Verlorene Räume, Wilde Plätze, Vergessene Inseln.
Beck 2017, Preis: 19,95 Euro

Xiuhtezcatl Martinez: We Rise: The Earth Guardians Guide to Building a Movement that Restores the Planet.Rodale Books 2017
(englischsprachige Ausgabe)

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Stand: 20.11.2017 09:11 Uhr

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