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Hannahs Weg zum Glück

Eine Filmdoku zeigt, wie der Buddhismus nach Europa kam

Hannah Nydahl
Eine starke Frau: Hannah Nydahl | Bild: W-film / Connected Pictures

Am Anfang stand eine große Liebe. In den 60er-Jahren lebten Hannah und Ole Nydahl in Kopenhagen, einer Stadt, die geprägt war vom Geist der Freiheit und der Lust am Experiment. Viele junge Leute – Aussteiger und Künstler, Anarchisten und Hausbesetzer – ließen sich in der dänischen Metropole nieder, um ihren Traum von einem anderen Leben zu verwirklichen.

Hannah zu Beginn ihres Weges
Hannah zu Beginn ihres Weges | Bild: W-film / Connected Pictures

Hannah, Jahrgang 1946, studierte Französisch und Dänisch. Mit dem fünf Jahre älteren Ole Nydahl verband sie die Sehnsucht nach spirituellen Erfahrungen. 1968 machten sie sich, jung verheiratet, auf den Hippie Trail vom hohen Norden nach Nepal.

Kathmandu war damals ein Magnet für europäische Rucksacktouristen. Sie hofften, in der nepalesischen Hauptstadt Erleuchtung, zumindest aber Drogen und freie Liebe zu finden. Jimi Hendrix, Mick Jagger und die Beatles waren vermutlich die berühmtesten Pilger.

Schicksalhafte Begegnung

Hannah und Ole Nydahl mit dem 16. Karmapa
1977 mit dem 16. Karmapa | Bild: W-film / Connected Pictures

Für Hannah und Ole sollte die Reise weit mehr werden als ein Hippie-Abenteuer. In Nepal begegneten sie dem 16. Karmapa, dem "König der Yogis", wie das geistige Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus genannt wurde. Er machte sie zu seinen ersten westlichen Schülern.

Hannah und Ole Nydahl verbrachten mehrere Jahre im Himalaya. Nach der Ausbildung gab ihnen der 16. Karmapa den Auftrag, Meditationszentren im Westen zu gründen. Fortan widmeten sie ihr Leben der Vermittlung der buddhistischen Lehre.

Der Diamantweg

Hannah und Ole Nydahl
Hannah und Ole Nydahl | Bild: W-film / Connected Pictures

Hannah übersetzte die wichtigsten Schriften aus dem Tibetischen ins Deutsche, Englische und Dänische, organisierte Reisen der bedeutendsten Meditationsmeister, hielt Vorträge und Kurse. Ihr Weg führte sie durch ganz Europa, nach Südamerika, in die Sowjetunion und nach China. Gemeinsam mit ihrem Mann eröffnete sie weltweit mehr als 500 buddhistische Zentren der "Diamantweg"-Stiftung und pflegte die Verbindung zu den in Nepal und Indien gelegenen Klöstern.

Offensichtlich traf sie genau den Nerv unzähliger Menschen auf der Suche nach spiritueller Erfüllung und Glück. Ohne ihr Charisma wäre die enorme Verbreitung des Buddhismus im Westen nicht denkbar gewesen. "Alle spürten, dass wir etwas gefunden hatten, das unserem Leben Sinn gab", sagt Ole Nydahl. "Viele Leute auf Drogen kamen zu uns und brauchten Hilfe. Es war eine Art spirituelle Heilungsindustrie, die in Gang kam." Seit Hannahs Tod im April 2007 setzt er, vom 16. Karmapa zum Lama ernannt, die gemeinsame Arbeit fort allerdings nicht unumstritten, denn Kritiker empfinden seinen Führungsstil als zu autoritär.

Denkmal für eine außergewöhnliche Frau

Die Filmemacherin Marta György-Kessler
Die Filmemacherin Marta György-Kessler  | Bild: WDR

Für die beiden Filmemacher Marta György-Kessler und Adam Penny war Hannahs außergewöhnliche Energie der Ausgangspunkt ihrer Erzählung. "Ich stand Hannah nah und bin viele Jahre mit ihr gereist", sagt Marta Gyorgy-Kessler. "Nach ihrem Tod wurde ich immer wieder gebeten, Vorträge über sie zu halten. Ich war damals schon seit einiger Zeit buddhistische Lehrerin und mir wurde klar, dass es ein großes Interesse an ihr als Mensch gab. Sie war so einzigartig. Also habe ich beschlossen, ihre inspirierende Lebensgeschichte anderen mitzuteilen."

Für ihren Film sind Marta György-Kessler und Adam Penny nach Indien, Nepal und in den fernen Osten gereist, haben Interviews geführt und Szenen nachgestellt. Neben Erinnerungen von Freunden und Weggefährten kommt Hannah selbst zu Wort – eine außergewöhnliche Frau, die im Buddhismus ihre innere Stärke fand.

Autorin des TV-Beitrags: Brigitte Kleine

Stand: 08.01.2018 09:17 Uhr

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Produktion

Westdeutscher Rundfunk
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