SENDETERMIN So, 07.01.18 | 23:35 Uhr | Das Erste

Black Lives Matter

Über Rassismus und eine Geschichte vom Überleben

Black Lives Matter | Video verfügbar bis 07.01.2019 | Bild: WDR

Wie viel zählt ein schwarzes Leben? Als im Juli 2013 der Feuerwehrmann George Zimmerman freigesprochen wurde, nachdem er den afroamerikanischen Teenager Trayvon Martin ermordet hatte, gründete sich die Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter. Im Jahr darauf sorgte sie international für Aufsehen. Im ganzen Land war es zu friedlichen Demonstrationen gegen Rassismus und zu Tumulten gekommen, nachdem ein Polizist in der US-Provinzstadt Ferguson einen unbewaffneten 18-jährigen Schwarzen erschossen hatte und dafür nicht einmal vor Gericht gestellt wurde.

Patrisse Cullors, Künstlerin und Aktivistin, hat Black Lives Matter mitgegründet. Jetzt erzählt sie ihre Geschichte. Das Buch "#Black Lives Matter" erscheint in diesen Tagen bei Kiepenheuer & Witsch. ttt hat die Autorin in Kalifornien getroffen.

Alltäglicher Rassismus

Proteste in Ferguson
Proteste in Ferguson nach dem Tod von Michael Brown, August 2014 | Bild: WDR / imago/Xinhua

Die USA sind auch 150 Jahre nach dem Verbot der Sklaverei und 50 Jahre nach dem Ende der Rassentrennung ein tief gespaltenes Land. Noch immer prägen rassistische Vorurteile den Alltag. Eine verfehlte Sozialpolitik und die wachsende Angst der Mittelklasse haben dazu geführt, dass die Menschen am Rande der Gesellschaft, seien sie schwarz oder arm oder beides, unter Generalverdacht stehen. Mit katastrophalen Folgen, wie die zunehmende Polizeigewalt gegen Schwarze zeigt.

Ausgegrenzt und verfolgt

Auch Patrisse Cullors hat schon früh Ausgrenzung und Demütigung erlebt. "Als Kind weiß man ja nicht, dass man diskriminiert wird, aber du kennst das Gefühl. Ich war oft traurig, fühlte mich gedemütigt. Man hat uns in eine Schublade gesteckt, als eine verdächtige Gruppe behandelt, die überwacht und bestraft werden muss, nur weil wir schwarz sind."

Sie wuchs als Tochter einer alleinerziehenden Mutter in einem Getto von Los Angeles auf. "Meine Mutter hat sich sehr geschämt, arm zu sein. Dabei hatte sie überhaupt keine Chance, beruflich aufzusteigen. Sie musste drei Jobs annehmen, um uns durchzubringen. Meine Mutter ist für mich eine wahre Heldin. Nur durch ihr Opfer kann ich mich überhaupt für Black Lives Matter engagieren."

Überleben

Patrisse Cullors Geschichte ist auch eine Geschichte vom Überleben. Sie erzählt, wie die Schwarzen kriminalisiert und von den "Ordnungsorganen" bedroht werden. "Bei uns gab's keine Parks, wir hingen auf der Straße ab. Wir wurden dauernd von der Polizei angehalten, wir kannten unsere Rechte nicht. Wir mussten unsere Hände an die Wand legen, Taschen leeren, T-Shirts hochziehen und es hieß 'Stop!' und filzen. Dabei waren wir noch Kinder, keine 13 Jahre alt."

Auch zu Hause fühlte sie sich nicht sicher. Immer wieder stürmten Polizisten die Wohnung, suchten nach Drogen und Verdächtigen, während sie und ihre Geschwister stocksteif vor Angst zuschauten. Viele ihrer Verwandten und Freunde saßen jahrelang im Gefängnis. Auch ihr psychisch kranker Bruder, dem jede Behandlung verwehrt wurde.

Rassismus mit Methode

Demonstration gegen Polizeigewalt in New York
Demonstration gegen Polizeigewalt, Oktober 2017 | Bild: ddp images/ Eric McGregor

In ihrem aufwühlenden Buch zeigt Patrisse Cullors, dass Polizeigewalt gegen Schwarze und Justizwillkür Methode haben. Sie sind Ausdruck eines tief verwurzelten Rassismus. Für die Black-Lives-Matter-Bewegung hat sie große Pläne.  "Wir brauchen mehr als nur schwarze Menschen, die sich für Schwarze engagieren. Wenn es uns gelingt, schwarze Menschen zu befreien, wenn wir ernsthaft die Themen der schwarzen Community anpacken und mit neuen Methoden arbeiten, dann schaffen wir die Grundlage für alle Bürger, freier zu werden." Aus dem Kampf für die Rechte der Schwarzen soll ein Kampf für die Rechte aller werden. Ein mutiges Zeichen des Widerstands gegen jede Form der Unterdrückung – auch gegen Donald Trump, den 45. Präsidenten der USA.

Buchtipp

Patrisse Khan-Cullors: #BlackLiveMatters.
Eine Geschichte vom Überleben.
Kiepenheuer & Witsch 2018, Preis: 20 Euro
Erscheinungstermin: 16. Januar 2018

Autorin des TV-Beitrags: Claudia Kuhland

Stand: 08.01.2018 09:10 Uhr

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