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Die Illusion von Unendlichkeit – Der Lichtkünstler James Turrell

PlayLichtinstallation von James Turrell: Zwei Mensch in pinkem Licht.
Die Illusion von Unendlichkeit – Der Lichtkünstler James Turrell | Video verfügbar bis 10.06.2019 | Bild: James Turrell / Florian Holzherr

Seine Kunst besteht nur aus Licht – wobei das "nur" eine totale Untertreibung ist. Denn James Turrell verzaubert mit Licht, erzeugt die Illusion von Unendlichkeit in einem geschlossenen Raum. Das muss man erst mal können! Wer sich in seine mit Licht gefluteten Räume begibt, fühlt sich dem Himmel ganz nah und schwerlos. In Baden-Baden ist jetzt eine Retrospektive seiner Werke zu sehen. Zudem hat Turrell Arbeiten speziell für das Museum Frieder Burda entwickelt (ab 9. Juni). "ttt" taucht ein in das Farbenmeer und durchwandert sphärische Lichtnebel – und fühlt sich wunderbar erleuchtet.

Licht erschafft Räume

Seine Kunst lässt sich auf der Haut spüren. Lässt sich einatmen. Sie umhüllt den Betrachter wie ein weiches Tuch, streichelt und berührt. "Licht ist immer da. In uns. Wir haben es dabei", sagt der Künstler. "Das ist die essenzielle Qualität des Lichts – es begleitet uns. Ich möchte mit dem Licht arbeiten, das wir im Traum sehen – nicht mit dem, das wir mit geöffneten Augen wahrnehmen."

Die Kunst von James Turrell ist es, Räume und Felder nur aus Licht zu schaffen. Aus Natürlichem. Und mit LED. "Das ist nicht leicht", erklärt er. "Du kannst Licht nicht mit den Händen formen, wie Ton zum Beispiel. Es lässt sich auch nicht schneiden wie Holz oder Stein. Tatsächlich verhält sich Licht ähnlich wie Musik. Um damit zu arbeiten, musst Du das Instrument dafür bauen. Manchmal sitzt man in seinem Apartment und hört zum Beispiel was von Wagner. Urplötzlich wirkt der Raum um Dich herum viel größer und weiter als zuvor. Musik – ebenso wie Licht – weitet Räume. Das ist das Material, das Räume erschafft."

Wer Turrells Kunst erleben will, muss reisen

Warum Licht? Weil es das ist, was an uns vorbei rauscht, manchmal fließt oder fliegt. James Turrell will es einfangen. Damit es haften bleibt – wenigstens für einen Moment. "Das ist ein Raum ohne sichtbare Grenzen. Kein unendlicher Raum. Ich baue auch unendliche Räume! Aber dafür brauche ich den Himmel." So schafft er überall auf der Welt seine "Skyspaces", meist in abgelegenen Gegenden wie in den Bergen Argentiniens. Wer seine Kunst erleben und dem Himmel nahe kommen will, muss reisen.

Turrell öffnet die Decke und schafft so einen Rahmen für das Universum. "Ich komme aus einer Quäkerfamilie", erzählt er. "Es gab damals Sitzungen, bei denen eine Stunde lang in völliger Stille meditiert wurde. Und eine weitere Stunde, falls sich jemand berufen fühlte, das Wort zu ergreifen. Allein schon eine Stunde stillschweigend meditieren ist für ein Kind eine ziemlich lange Zeit. Damals habe ich mir vorgestellt, die Decke des Raumes würde sich lüften wie bei einem Cabriolet."

Der Roden Crater: Turrells Lebensprojekt

James Turrell ist ausgebildeter Pilot. "Seinen" Himmel auf Erden hat er aus der Luft entdeckt: Den Roden Crater. Einen erloschenen Vulkan in der Wüste Arizonas. Seit 41 Jahren arbeitet er unter der Erde, baut Tunnel und Schächte, um dem Licht nah zu sein. Es ist das Projekt seines Lebens.

"Der Vulkan ragt über die Erdoberfläche, das mag ich", sagt er. "Also bist Du in der Erde und gleichzeitig darüber. Aber Du musst in so einem Vulkan auch vorsichtig sein! Er ist ein natürlicher Blitzableiter und bei Gewittern entlädt sich der Blitz durch den Krater. Also mussten wir alle Räume im Innern zu faradayschen Käfigen machen."

Am Ende ist immer ein Fenster

Wer Turrells Lichträume betritt, löst ein Ticket in die eigene Unendlichkeit des Seins. "Es gibt Installationen, die in einem Rahmen stattfinden. Ähnlich wie in einem Gemälde. Und dann gibt es Meditationsräume, die ziehst Du Dir an wie ein T-Shirt. Über den Kopf. Dann bist Du in Deinem eigenen Raum aus Licht."

Und auch, wenn das Licht den Betrachter umfängt – gefangen ist er nie. Am Ende nämlich ist bei Turrell immer ein Fenster.

(Beitrag: Katharina Ricard)

Ausstellungstipp
James Turrell

9. Juni – 28. Oktober 2018

Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b
76530 Baden-Baden

Tel. (07221) 398 980

Öffnungszeiten:
Di – So, 10 – 18 Uhr
feiertags (auch Mo) geöffnet 

Stand: 10.06.2018 19:22 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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