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So ähnlich, so unterschiedlich – Ein verblüffendes Fotoprojekt über Nord- und Südkorea

PlayYusuke Hishida.
So ähnlich, so unterschiedlich – Ein verblüffendes Fotoprojekt über Nord- und Südkorea | Video verfügbar bis 10.06.2019 | Bild: NDR

Die Idee ist simpel – und verblüfft: dieselben Motive, dieselben Lebensphasen, und doch könnte das jeweilige Umfeld nicht unterschiedlicher sein. Der japanische Fotograf Yusuke Hishida hat ganz normale Menschen in Nord- und Südkorea fotografiert: Jugendliche, die Rollschuh fahren, Mütter, die ihre Babys wiegen, Frauen in Landestracht, lächelnde Soldaten, Kampfsportler. Der Bildausschnitt ist immer der gleiche – und nur die Bildunterschrift verrät, ob die Aufnahme nördlich oder südlich des 38. Breitengrades entstanden ist. Denn die Porträts ähneln sich – und unterscheiden sich bei genauem Hinsehen dann doch. Oder ist es nur reine Bildinterpretation?

Korea: Fotos von einer erzwungenen Parallelwelt

"Es ist ein Volk mit fast gleicher Sprache und gleichen Namen, aber seit 70 Jahren getrennt, mit absolut unterschiedlichen Leben - in zwei unterschiedlichen Gesellschaften", sagt Hishida. Sein Fotoband "border | korea" sowie die gleichnamige Ausstellung in Tokyo zeigen diese durch den 38. Breitengrad politisch erzwungene Parallelwelt. Mit simplen Mitteln, reduziert, intim. Sieben Mal war er im Norden – und einem Dutzend Mal im Süden. "Stationen: als Baby, Schüler, Ehepaar oder im Alter. Ich versuche, Momente eines Zyklus’ abzubilden. Den Lauf des Lebens eben", sagt er.

Ein Pendant zu jedem Bild aus Nord-Korea

Der Japaner suchte seine Motive zunächst im Norden. Hier war die Arbeit für den Fotografen deutlich diffiziler als im Süden: wenig Zeit, ständige Überwachung. Und manchmal ordneten die Kontrolleure an, die Porträtieren doch noch auszutauschen. Manches ging aber auch ganz leicht, erzählt er: "Ein Mädchen habe ich zufällig in einem Park gesehen. Sie kam mit ihren Rollerblades vorbei. Ich habe gefragt, und sie ließ sich fotografieren."

Zu jedem Bild fand er ein Pendant im Süden. Die Ähnlichkeit ist oft verblüffend.

Ein vereintes Korea?

Das Projekt beginnt 2009. Da platzen gerade die Gespräche über Nordkoreas Kernwaffenprogramm. Vor einem Jahr wählt der Süden einen linksliberalen Präsidenten. Seitdem kommt wieder Bewegung in die innerkoreanischen Angelegenheiten. Und jetzt: friedlicher Austausch in Sicht? "Ich bin doch etwas verwirrt angesichts der drastischen Veränderungen gerade", sagt Hishida. "Die Voraussetzungen ändern sich gerade. Ich konnte das machen, weil die beiden Länder komplett verschieden sind. Jetzt rücken sie näher zusammen – und meine Story funktioniert nicht mehr ganz so gut. Was mich angeht, bin ich froh, dass ich diese Bilder noch rechtzeitig machen konnte."  

Ein vereintes Korea? Wohl noch weit weg. Hishida reicht schon ein verwirrtes Publikum, das sich fragt: Wer kommt eigentlich woher?

(Beitrag: Uwe Schwering)

Buch-Tipp
border | korea
Bildband von Yusuke Hishida
Libro Arte (1. Dezember 2017)
ISBN: 978-4802130806

Stand: 10.06.2018 19:31 Uhr

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