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Schlüsseldienste: Wucher an der Haustür

PlayTür wird vom Schlüsseldienst geöffnet
Schlüsseldienste: Wucher an der Haustür | Video verfügbar bis 27.06.2019 | Bild: picture alliance / Susann Prautsch

Inhalt in Kürze
– Dubiose Schlüsseldienste verlangen in einigen Fällen mehr als 1.000 Euro, um eine Tür zu öffnen.
– Ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Schlüsseldienst Zentrale wegen bandenmäßigen Betrugs und Wucher vor Gericht.
– Andere Netzwerke mit Mafia-ähnlichen Strukturen treiben weiter ihr Unwesen.

Dubiose Schlüsseldienste werben im Internet mit fairen Preisen und verlangen dann für wenige Minuten Arbeit in einigen Fällen mehr als 1.000 Euro. Die überzogenen Rechnungen sind direkt vor Ort per Girocard ("EC-Karte") zu bezahlen. Hinter der Masche steckt ein bundesweites Netzwerk, die sogenannte Schlüsseldienst-Mafia. Der Großteil der Unternehmen ist in den Händen von sechs bis acht Personen, schätzen Insider.

Typisch für die Branche sind Briefkastenfirmen, Unternehmen mit Privatadressen und versteckte Call-Center. Die Strukturen machen es geprellten Verbrauchern schwer, das für überhöhte Rechnungen bezahlte Geld später wiederzubekommen.

Netzwerk der Schlüsseldienst-Mafia aufgeflogen

Tür wird vom Schlüsseldienst geöffnet
Unseriöse Schlüsseldienste ruinieren den Ruf der Branche. | Bild: picture alliance / Susann Prautsch

Eines der bundesweiten Netzwerke der Schlüsseldienst-Mafia ist aufgeflogen. Die beiden ehemaligen Geschäftsführer der Deutschen Schlüsseldienst Zentrale (DSZ), die Geschäftsleute Karl-Leo S. und Christian S., stehen deshalb vor Gericht. Beide sitzen seit einer bundesweiten Razzia im August 2016 wegen bandenmäßigen Betrugs und Wucher in Nordrhein-Westfalen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Kleve hatte in mehr als 1.000 Fällen bundesweit ermittelt.

Mit Schlüsseldienst-Abzocke ein Vermögen verdient

Die Deutsche Schlüsseldienst Zentrale soll ein Firmengeflecht von fast 300 Monteuren aufgebaut haben, die speziell für die Aufgabe ausgebildet wurden. Laut Anklage haben die Geschäftsführer ein ausgeklügeltes System geschaffen, um über zehn Jahre hinweg Kunden abzuzocken. Mit überteuerten Türöffnungen verdienten sie ein Vermögen: Luxusautos und Immobilien wurden beschlagnahmt.

Obwohl die ehemaligen Geschäftsführer vor Gericht stehen und die Deutsche Schlüsseldienst Zentrale inzwischen insolvent ist, wird der Firmenname weiter für Abzocke mit überhöhten Preisen genutzt. Das belegen Recherchen von "Plusminus". Auch dazu hat die Staatsanwaltschaft Kleve Ermittlungen aufgenommen.

Briefkastenfirma in Herford?

Das betrügerische System der Deutschen Schlüsseldienst Zentrale ist kein Einzelfall. Andere Unternehmen arbeiten ähnlich. Zum Beispiel gibt sich die NVD GmbH auf ihrer Internetseite als regionales Unternehmen aus, ist aber deutschlandweit tätig. Beim Firmensitz der NVD GmbH in Herford handelt es sich nach Recherchen von "Plusminus" lediglich um eine Postadresse ("Briefkastenfirma"). Den Standort des Call-Centers verrät Geschäftsführerin Susanne Hoppe auf Anfrage nicht.

Bericht: Carola Beyer
Kamera: P. Ninskens, F. Posern, B. Zink
Schnitt: Andi Eichler

Stand: 27.06.2018 23:22 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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