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Starker Preisanstieg bei Krebsmedikament

PlayTägliche Dosis Tabletten für die Krebstherapie
Starker Preisanstieg bei Krebsmedikament | Video verfügbar bis 27.06.2019 | Bild: dpa / Robert Schlesinger

Inhalt in Kürze
– Der Preis für das Krebsmedikament Carmustin ist um das Vierzigfache gestiegen.
– Der indische Hersteller Emcure Pharmaceuticals hat eine Monopolstellung auf dem Markt.
– Krebsmediziner fordern die Politik auf, für mehr Wettbewerb und faire Preise zu sorgen – Krankenkassen plädieren für gesetzlich festgelegte Rabatte

Wer an fortgeschrittenem Lymphknotenkrebs oder Leukämie leidet, braucht eine Blutstammzelltransplantation. Zur Vorbereitung der Behandlung bekommen Erkrankte eine Chemotherapie, die Krebszellen zerstören soll. Ein wichtiger Baustein der Therapie ist das Medikament Carmustin.

Carmustin: Preissteigerung von 35 auf 1.400 Euro

Seit der britische Hersteller 2013 die Zulassung an ein indisches Pharmaunternehmen verkauft hat, ist der Preis für Carmustin stark gestiegen - von ursprünglich 35 Euro pro 100 Milligramm auf 1.400 Euro. Dabei handelt es sich um ein vor vielen Jahren eingeführtes Medikament, das keine Ausgaben für Forschung und Entwicklung mehr einspielen muss. Auch die Herstellung gilt als nicht besonders kompliziert.

Möglich ist der drastische Preisanstieg, weil der indische Hersteller Emcure Pharmaceuticals eine Monopolstellung auf dem Markt hat. Für die Patienten ist Carmustin überlebensnotwendig, Ärzte verschreiben es – und die Krankenkassen zahlen.

Keine Preisbindung für Importe

Tägliche Dosis Tabletten für die Krebstherapie
Experten kritisieren die hohen Preise einiger Krebsmedikamente. | Bild: dpa / Robert Schlesinger

Auch in vielen anderen Segmenten des Pharmamarktes gibt es Monopole und Oligopole. Durch ihre Marktmacht haben es die Hersteller leicht, mit ihren Produkten hohe Gewinne zu erzielen. Die Krankenkassen zahlen die geforderten Preise, denn wenn es nur einen Hersteller gibt, der das Medikament als Import anbietet, gilt die bis 2022 gesetzlich geregelte Preisbindung nicht (Preismoratorium).

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, eine 3.300 Mitglieder starke Fachgesellschaft von Krebsmedizinern, fordert die Politik zum Handeln auf: Herstellungsmonopole dürften nicht zulasten solidarischer Gesundheitssysteme und todkranker Krebspatienten missbraucht werden.

Bericht: Birgit Augustin
Kamera: Eva Vahldieck, Hans-Jürgen Büsch
Schnitt: Hanne Liu, Andreas von Huene

Stand: 31.07.2018 12:13 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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