Was Diesel-Fahrer jetzt wissen müssen

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Feinstaubalarm-Schild in Stuttgart
Feinstaubalarm in Stuttgart

Ab wann gibt es Fahrverbote?

Wegen ihrer Lage im Talkessel gilt Stuttgart als besonders anfällig für hohe Feinstaubkonzentrationen. An Tagen mit besonders hohen Werten gibt es den so genannten Feinstaubalarm und an diesen Tagen gelten ab 2018 auch Fahrverbote für bestimmte Dieselfahrzeuge in der Stuttgarter Innenstadt.

Wer ist betroffen?

In Stuttgart sind von der Regelung alle Dieselfahrzeige betroffen, die nicht die aktuell gültige Euro-6b-Abgasnorm erfüllen. Diese wurde im September 2015 EU-weit eingeführt und alle seither verkauften Neuwagen müssen die Grenzwerte der Norm einhalten. Damit könnte ein im August 2015 produziertes und verkauftes Auto mit Euro-5-Norm und noch nicht mal drei Jahre alt vom Fahrverbot betroffen sein.

Bei den bisherigen Plaketten für Umweltzonen ändert sich vorerst nichts. Wer eine grüne Plakette an seinem Fahrzeug hat, darf weiterhin in die Umweltzonen der Städte einfahren, außer eben in Stuttgart!

Bislang sollen die Fahrverbote nur in Großstädten kommen. Wer auf dem Land wohnt und kaum in Großstädte fahren muss, kann seinen Euro 5 weiterfahren und muss sich jetzt nicht ein Auto mit einem anderen Motor kaufen.

Was ist noch zu erwarten?

Ab September 2017 werden zusätzlich die Abgaswerte unter realen Fahrbedingungen ermittelt, die die so genannten "Real driving emissions" (RDE), zunächst allerdings nur zur Information. Erst ab Januar 2019 ist die Messung unter realen Fahrbedingungen dann maßgeblich. Zu Beginn dürfen diese Werte noch das 2,1-Fache der Prüfstandswerte betragen, ab 2021 noch das 1,5-Fache.

Umweltverbände, wie die Deutsche Umwelthilfe DHU, sind sehr klagefreudig und werden wohl die Gerichte so lange bemühen, bis alle Kommunen die EU-Grenzwerte für Stickoxid-Konzentrationen in den Innenstädten einhalten. Da Fahrverbote in der geplanten Form möglicherweise kaum etwas bringen, könnten dann in manchen Städten sogar alle Dieselfahrzeuge betroffen sein.

Droht ein Wertverlust bei Diesel-Pkw?

Sollten Dieselfahrzeuge in einzelnen Städten oder gar bundesweit nicht mehr in die Innenstadtbereiche fahren dürfen, droht tatsächlich ein hoher Wertverlust beim Verkauf. Betroffen sind in Stuttgart beispielsweise davon schon jetzt noch recht junge Gebrauchtwagen, die nur die die Euro-5-Abgasnorm erfüllen.

Qualmender Auspuff
Alten Stinkern geht es auf jeden Fall an den Kragen!

Gibt es Nachrüstmöglichkeiten?

Mit einer Mischung aus Harnstoff und Wasser, dem so genannten AdBlue, das in die Abgase eingespritzt wird, lassen sich die Stickoxide wirkungsvoll eliminieren. Diese Technik zur Abgasbehandlung funktioniert jedoch nur bei Temperaturen von rund 200° C gut und sollte deshalb nah am Motor erfolgen. In modernen Motorräumen ist dafür aber kaum noch Platz. Außerdem sei die Umrüstung technisch und wirtschaftlich kaum zu machen, heißt es aus der Autobranche.

Immerhin sei einem Zulieferer, dem Abgasspezialisten TwinTec, die Nachrüstung eines VW-Passat Diesel, Baujahr 2014, von Euro 5 auf Euro 6 gelungen. Die Firma sagt, sie könne das auch für andere Motoren machen. Die Preise für die Nachrüstung dürften zwischen 1.000 und 1.500 Euro liegen. Ob dies eine Lösung für alle Dieselmodelle sein kann, muss sich in der Praxis noch zeigen.

Auch in der Automobilindustrie gibt es Bestrebungen, Nachrüstmöglichkeiten zu schaffen. So will beispielsweise VW eine Allianz der Autobauer schaffen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. VW setzt dabei auch auf seine Erfahrungen, die mit dem Nachrüsten der Dieselfahrzeuge in den USA gesammelt werden können.

Soll man auf Benziner umsteigen?

Sollte künftig die blaue Plakette kommen, sind von den dann angestrebten Normen und Grenzwerten auch mindestens drei Millionen Benziner betroffen. Problem sind die Direkteinspritzer, die zu viele Feinstaubpartikel produzieren. Immer mehr Hersteller setzen deshalb auch in Benzinern inzwischen Partikelfilter ein.

Außerdem stoßen Benziner durch den höheren Kraftstoffverbrauch deutlich mehr CO2 aus, womit die nächsten EU-Norm-Verstöße drohen.

Gibt es Alternativen?

Bei Fahrten in die Innenstädte sollte man, wo und wann immer möglich, auf das Auto verzichten und den öffentlichen Nahverkehr, Park & Ride-Plätze oder das Fahrrad nutzen.

Fahrzeuge mit Gasantrieb lohnen die Anschaffung meist nur bei hohen Laufleistungen. Das Tankstellennetz ist noch sehr dünn und die scheinbar gute CO2-Bilanz wird durch umstrittene Verfahren bei der Gasgewinnung getrübt.

Elektro-Autos sind für die meisten Autofahrer noch keine Alternative, da die begrenzte Reichweite und das noch unzureichende Netz an Ladestationen die Nutzung deutlich einschränken.

Plug-in-Hybrid-Modelle könnten eine kurzfristige Lösung sein, da sie mit dem vorhandenen Verbrennungsmotor längere Reichweiten haben und mit rein elektrischen 30 bis 40 Kilometern in den meisten Innenstädten für Fahrten hinein und hinaus ausreichend sind. Doch im realen Betrieb sind die Plug-in-Hybride laut ADAC auch nicht so sauber und sparsam, wie die Hersteller versprechen.

Außerdem wird bei allen elektrisch betriebenen Fahrzeugen die Umweltbilanz durch die Stromerzeugung beispielsweise mit Kohle und die Herstellung und das Recycling der Akkus sehr stark verschlechtert.