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WM in Russland: Stresstest für den Fußball?

PlayWladimir Putin und Gianni Infantino
WM in Russland: Stresstest für den Fußball? | Video verfügbar bis 13.06.2019 | Bild: dpa

Besorgte Polit-Debatten begleiten die Vorfreude auf die Fußball-WM, die am Donnerstag beginnt: Gerade erst hat Bundeskanzlerin Merkel ihre harte Haltung gegenüber Russland bekräftigt und will an Sanktionen festhalten. Wird nun Kreml-Chef Putin das Turnier für seine Zwecke politisch nutzen, und sollte die deutsche Bundeskanzlerin während des Turniers nach Russland reisen? Auch die Diskussion um die vermeintlichen Wahlwerbefotos von Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan reist mit ins deutsche WM-Lager. Aber gehen die Pfiffe der deutschen Fans beim letzten Länderspiel zu weit? Oder werden ab Donnerstag doch nur noch Fußballfragen debattiert: "Hält der Fuß von Manuel Neuer?" oder einfach "Wird Deutschland Weltmeister?

Claudia Roth, B’90/Grüne (Bundestagsvizepräsidentin)

Claudia Roth
Claudia Roth | Bild: WDR / Max Kohr

"Die Weltmeisterschaft hätte nicht nach Russland gegeben werden dürfen", kritisiert die ehemalige Grünen-Chefin. Nun wünscht sich Claudia Roth von den Nationalspielern, in Russland "Gesicht zu zeigen". Denn Fußball lasse sich nicht von Politik trennen: "Es ist wichtig, auf den Unterschied zwischen einer Demokratie und einer De-facto-Diktatur hinzuweisen." Scharf kritisiert die Bundestagsvizepräsidentin den Weltfußballverband: "Die Fifa will ihre Regeln durchdrücken, egal wie hoch der Preis für Demokratie und Menschenrechte ist."

Reinhold Beckmann (Sportmoderator)

Reinhold Beckmann
Reinhold Beckmann | Bild: WDR / Max Kohr

Der ehemalige "Sportschau"-Moderator ist enttäuscht von den Fotos der Nationalspieler Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Gerade Gündogan habe er in persönlichen Interviews als sehr reflektiert erlebt. "Die Jungs sind schlecht beraten gewesen und haben Bockmist gebaut", sagt der Journalist. Dennoch stünden auch sie weiterhin für das Bild der "Mannschaft", die ein multikulturelles Deutschland zeige. Frankreich und Spanien sind für Reinhold Beckmann die ersten Anwärter auf den Titel. Die deutsche Mannschaft, warnt der langjährige Fußballkommentator, könnte nach dem Titelgewinn 2014 zu satt sein.

Toni Schumacher (ehem. Nationaltorwart)

Toni Schumacher
Toni Schumacher | Bild: WDR / Max Kohr

Der zweimalige Vize-Weltmeister hält nichts von der Instrumentalisierung von Sportlern durch die Politik: "Ich habe bei den großen Turnieren für die Zuschauer gespielt und nicht für Regierungschefs." Die Kritik an Jogi Löw kann der Vizepräsident des 1. FC Köln nicht nachvollziehen: "Ich bin Fan vom Bundestrainer." Die Entscheidung, Manuel Neuer als Nummer 1 zu nominieren, hält er für richtig. "Er hat gespielt und man sieht, er kann es und ist fit", sagt Toni Schumacher, der als einer der weltbesten Torhüter aller Zeiten gilt. 

Fritz Pleitgen (Journalist)

Fritz Pleitgen
Fritz Pleitgen | Bild: WDR / Max Kohr

"Ich habe mich gefreut, dass Russland die WM bekommen hat", sagt der ehemalige WDR-Intendant. Dass Putin mit dem Sportereignis das Image Russlands verbessern wolle, sei völlig legitim. "Das haben wir Deutschen 2006 ja auch gemacht", meint Fritz Pleitgen, der von 1970 bis 1977 Korrespondent der ARD in Moskau war. "Wenn die WM ohne Rechtsbrüche abläuft, sollte Putin dafür gelobt werden." Der 80jährige, der seine journalistische Karriere als Sportreporter begann, hofft neben einem fünften WM-Titel für Deutschland auf eine neue Annäherung an Russland und ein Ende der EU-Sanktionen gegen das Gastgeberland

Marlene Lufen (Fernsehmoderatorin)

Marlene Lufen
Marlene Lufen  | Bild: WDR / Max Kohr

"Das WM-Fieber hat sich bisher noch nicht richtig eingestellt", beobachtet die Sat-1-Moderatorin. Das liege weniger an Russland, sondern daran, dass sich die Zeiten in Deutschland seit 2006 geändert hätten: "Anders als beim Sommermärchen haben wir heute ein Problem mit uns und dem Zusammenleben hier in Deutschland." Das übertrage sich auf die WM-Stimmung. Dennoch freut sich die Berlinerin auf das Turnier und verteidigt Jogi Löw gegen Kritik: "Niemand kennt die Spieler so wie er. Er wird für jede Entscheidung seine Gründe gehabt haben."

Markus Merk (ehemaliger Schiedsrichter)

Markus Merk
Markus Merk  | Bild: WDR / Max Kohr

Der dreifache FIFA-Weltschiedsrichter spricht sich seit langem für den Videobeweis aus, da dieser für mehr Gerechtigkeit auf dem Spielfeld sorge. "Es war in den letzten Jahren teilweise ein Wahnsinn, in welchen medialen Fokus wir gedrückt wurden. Die ganze Nation ist bei Fehlentscheidungen über den Schiedsrichter hergefallen", sagt Markus Merk. Der Videobeweis sei eine "Revolution im Fußball", für den Spieler, Unparteiische und Zuschauer Lernprozesse in Kauf nehmen müssten. Eine hundertprozentige Gerechtigkeit, so der 56-Jährige, könne es allerdings nie geben.

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