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Die große Überforderung: Wie lösen wir den Pflegenotstand?

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Die große Überforderung: Wie lösen wir den Pflegenotstand? | Video verfügbar bis 18.04.2019 | Bild: dpa

Gestresste Pflegekräfte, entnervte Verwandte, ratlose Politik – so dramatisch beschreiben Betroffene und Medien die aktuelle Lage in der Altenpflege. Jetzt verspricht der neue Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass es in drei Jahren "Pfleger und Gepflegten spürbar besser" gehen werde. Alles nur leere Worte? Wie kann die Lage in den Altenheimen verbessert werden? Wird das lukrative Geschäft Pflege auf dem Rücken der Heimbewohner ausgetragen? Was kann die Bundesregierung für die Millionen Menschen tun, die ihre Angehörigen pflegen?

Jens Spahn, CDU (Bundesgesundheitsminister)

Jens Spahn
Jens Spahn | Bild: WDR / Max Kohr

Der CDU-Politiker sorgt auch beim Thema Pflege für Schlagzeilen: Wegen des Personalmangels in den Heimen will der neue Bundesgesundheitsminister ausländische Kräfte ins Land holen. Die SPD als Koalitionspartner wies das Vorhaben zurück. Jens Spahn ist dennoch optimistisch. Ziel seiner Politik sei, dass Pflegekräfte in drei Jahren sagen können: "Ich habe mehr Zeit für den Patienten, ich fühle mich angemessen bezahlt und ich fühle mich von der Gesellschaft gewertschätzt."

Cindy Berger (Schlagersängerin, pflegte ihre Mutter)

Cindy Berger
Cindy Berger | Bild: WDR / Max Kohr

"Ich sorge dafür, dass alte Leute nicht ins Heim müssen", sagt die Sängerin. Die Schlager-Ikone ("Cindy & Bert") kümmert sich für die Berliner Organisation "Careship" um hilfsbedürftige Senioren. "Ich betreue, helfe im Haushalt, koche, gehe mit ihnen spazieren oder zum Friseur." Dabei beobachtet Cindy Berger vor allem eines: "Keiner will ins Altenheim, die Angst davor kommt ständig auf." Auch ihre eigene Mutter wollte das nach einem Schlaganfall nicht. 2011 zog Cindy Berger zu ihr, pflegte sie bis zu ihrem Tod fünf Jahre später. "Unterm Strich war es für mich wunderschön, ich möchte diese Jahre nicht missen", erinnert sich die 70-Jährige.

Sandro Plett (Altenpfleger)

Sandro Plett
Sandro Plett | Bild: WDR / Max Kohr

Der 27-Jährige arbeitet seit 2013 als Altenpfleger. In seinem Berufsalltag hat er schon manches erlebt: Nachts sei seinen Erfahrungen nach in manchen Pflegeheimen nur eine Fachkraft für 60 oder mehr Bewohner zuständig – ein Zustand, den Plett "grob fahrlässig" nennt. Als "Sandro Pé" ist der 27-Jährige zum erfolgreichsten Pflege-Blogger in den sozialen Medien avanciert. Dort setzt er sich für eine menschenwürdige Pflege ein. Sandro Plett fordert endlich eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte sowie bundesweit einheitliche Personalvorgaben, die intensiv kontrolliert werden müssten.

Susanne Hallermann ("Wir pflegen e.V.")

Susanne Hallermann
Susanne Hallermann | Bild: WDR / Max Kohr

"Rückblickend frage ich mich, wie ich das alles geschafft habe." Susanne Hallermann pflegte über 10 Jahre ihre Großmutter, geriet in Hartz IV und engagiert sich heute für tausende Menschen mit ähnlichem Schicksal. "Wer zu Hause pflegt, riskiert den sozialen Abstieg." Pflegende Angehörige würden oft allein gelassen und vereinsamten. "Sie sind die Verlierer, dabei würde die Pflege in Deutschland ohne sie zusammenbrechen", sagt die ausgebildete Krankenschwester. Wenn die Politik nicht reagiere, werde das massiv unterfinanzierte System zusammenbrechen, warnt die zweifache Mutter.

Armin Rieger (ehem. Heimbetreiber und Pflegekritiker)

Armin Rieger
Armin Rieger | Bild: WDR / Max Kohr

"Das gesamte Pflegesystem in Deutschland ist ein Skandal", sagt Armin Rieger, der fast 20 Jahre lang ein Seniorenheim leitete. Bekannt wurde der Augsburger, weil er die Missstände in der eigenen Branche anprangerte. Der "Pflege-Rebell" ("Die Zeit") ist überzeugt, dass die Grundrechte von Pflegebedürftigen in vielen deutschen Einrichtungen mit Füßen getreten würden. Denn Profit sei oft wichtiger als das Wohl der Bewohner. Je schlechter die Pflege, so Armin Rieger, desto höher seien die Gewinne für die Betreiber.

Thomas Greiner (Präsident Arbeitgeberverband Pflege)

Thomas Greiner
Thomas Greiner | Bild: WDR / Max Kohr

Der Vertreter der Pflegeheimbetreiber weist die Vorwürfe zurück. Denn Missstände in Pflegeeinrichtungen seien Einzelfälle: "Es gibt in der Gesellschaft wenige Bereiche, die so engmaschig kontrolliert werden wie die Pflege." Sicher könne die Arbeit im Heim noch verbessert werden, aber gute Pflege kostet Geld, so der langjährige Vorstandsvorsitzende eines großen Pflegekonzerns. "Alle wollen, dass die Pfleger mehr Geld bekommen, aber keiner ist bereit, mehr in die Pflegeversicherung einzuzahlen."

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