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Echtes Leben: Ramadan in Corona-Zeiten

PlayDas Fastenbrechen wird normalerweise mit Familie und Freunden zelebriert. In Zeiten von Corona braucht es neue Konzepte.
Ramadan in Corona-Zeiten | Video verfügbar bis 24.05.2021 | Bild: picture alliance/ZUMA Press / Ahmad Hasaballah

Rund fünf Millionen Muslime leben in Deutschland. Am 23. April begann für sie der Fastenmonat Ramadan. Nach islamischer Überlieferung wurde der Koran im Monat Ramadan herabgesandt, deswegen hat dieser Monat für die Muslime einen so hohen Stellenwert.

Im Ramadan fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das Essen nach Sonnenuntergang wird Iftar, also Fastenbrechen, genannt und mit Familie und Freunden zelebriert. In den Moscheen wird im Ramadan das "Iftar-Essen" an Bedürftige verteilt.

Ein Lieferdienst könnte den Bedürftigen das Essen nach Hause bringen

"Aber dieses Jahr ist alles anders", erzählt Halide Özkurt (40) aus Krefeld. "Es ist traurig, die leeren Teller in der Moschee zu sehen und zu wissen, dass sie dieses Jahr von niemandem benutzt werden. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich so etwas erlebe." Mit dem Imam der Moschee überlegt sie jetzt, wie sie die Bedürftigen trotzdem mit Essen versorgen können. Einige Moscheen wollen ein "Iftar-to-go" anbieten, einen Lieferdienst, der den Bedürftigen das Essen bis vor die Haustür bringt.

Halide Özkurt sitzt für die SPD im Rathaus der Stadt Krefeld und engagiert sich in einer Moschee. Sie setzt sich für den Dialog der Kulturen und Religionen ein.
Halide Özkurt sitzt für die SPD im Rathaus der Stadt Krefeld und engagiert sich in einer Moschee. Sie setzt sich für den Dialog der Kulturen und Religionen ein. | Bild: WDR / ThurnFilm GmbH

Aber am traurigsten ist Halide Özkurt darüber, dass sie nicht mit ihren Eltern und ihrer großen Familie das Ende der Fastenzeit feiern kann. "War das Wetter schön, trafen wir uns, über 30 Leute, bei meinen Eltern im Garten. Meine Eltern trifft das jetzt sehr. Sie haben bereits die Geschenke für die Enkelkinder gekauft, die sie ihnen nach dem Ende der Fastenzeit, zum Zuckerfest geben wollten. Auch das müssen wir jetzt sehen, wie wir das machen können, ohne ihre Gesundheit zu gefährden."

Auch Nadia Bouazzi Ouldaly, 32-jährige Pflegedienstleiterin aus Düsseldorf, ist traurig. "Corona ist vor allem meinen Patientinnen und Patienten schwer zu erklären. Sie bekommen jetzt gar keinen Besuch mehr, außer uns sehen sie in der Regel niemanden – das drückt schon auf die Psyche."

"Diesmal steht das Leben hier still"

Im marokkanisch und türkisch geprägten Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk verlangsamt sich das Leben im Fastenmonat Ramadan immer etwas. "Diesmal aber", so Nadia Bouazzi Ouldaly, "steht das Leben hier still. Die vielen marokkanischen Restaurants bleiben geschlossen. Sie leben davon, dass sich die Familien abends, nach Sonnenuntergang, zum Iftar-Essen treffen. Das war immer eine schöne Atmosphäre: das Viertel war voller Menschen, viele Familien mit Kindern. Das geht jetzt nicht mehr."

Nadia Bouazzi Ouldaly leitet in Düsseldorf einen kultursensiblen Pflegedienst. Für sie gibt es keinen Widerspruch zwischen deutsch und muslimisch.
Nadia Bouazzi Ouldaly leitet in Düsseldorf einen kultursensiblen Pflegedienst. Für sie gibt es keinen Widerspruch zwischen deutsch und muslimisch. | Bild: WDR / ThurnFilm GmbH

Vor allem aber vermisst Nadia Bouazzi Ouldaly ihren Vater. Er lebt in Marokko, und niemand weiß, wann er nach Deutschland reisen darf. "Das Fastenbrechen ohne meinen Vater, das fällt mir schwer. Seit dem Tod meiner Mutter waren wir Ramadan immer zusammen. Marokko liegt nur drei Flugstunden von hier, es könnten aber auch dreißig sein, durch Corona ist es schlicht unerreichbar".

"Echtes Leben" begleitet gläubige Muslime während des Fastenmonats Ramadan. Wie gehen sie mit den Einschränkungen in der Corona-Krise um?

Ein Film von Kadriye Acar und Tatjana Mischke

Sendetermin

So., 24.05.20 | 17:30 Uhr
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Produktion

Westdeutscher Rundfunk
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