Grillen ohne Tropenholz – ist das möglich?

Bratwürstchen liegen auf einem Grill mit glühender Kohle.
250.000 Tonnen Grillkohle werden pro Jahr in Deutschland verbraucht. | Bild: picture-alliance/blickwinkel / fotototo

250.000 Tonnen Grillkohle werden in Deutschland pro Jahr verfeuert – darunter Grillkohle aus Tropenholz, wie die jüngste Marktanalyse der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) belegt. Woher also stammt das Holz, das wir beim Grillvergnügen verfeuern? Unter welchen Umständen wird es produziert? Und wie können Verbraucher sichergehen, dass kein illegal geschlagenes Tropenholz in ihren Grills landet? Fragen und Antworten.

Was genau hat der WWF bei seiner jüngsten Marktstudie herausgefunden?

Für die Marktstudie 2018, die der WWF beim renommierten Thünen-Institut in Auftrag gab, analysierten Wissenschaftler 36 Holzkohle-Säcke aus Baumärkten, von Tankstellen und Discountern. Anhand der Holzstruktur konnten die Wissenschaftler erkennen, aus welchen Baumarten die Grillkohle oder Briketts gemacht wurden. Sie fanden in 42 Prozent der Säcke Holz aus tropischen- oder subtropischen Regionen. Ob das verwendete Tropenholz legal oder illegal geschlagen wurde, kann die Untersuchungsmethode des Thünen-Instituts zwar nicht nachweisen. Bei Tropenholz gibt es laut WWF allerdings ein hohes Risiko, dass es aus illegaler Abholzung und/oder Raubbau stammt. Die Hersteller gaben auf Nachfrage an, die nachhaltige Forstwirtschaft voranzutreiben und beim Kauf von Tropenholz achtsam zu sein.

Wird auf den Grillkohle-Säcken ausgewiesen, woher das verwendete Holz stammt?

Nur zum Teil: Lediglich auf acht der 36 getesteten Produkte war laut WWF eine präzise Information über die verwendeten Holzarten zu finden. Bei drei der acht Produkte stimmten die Angaben aber nicht mit den im Labor identifizierten Holzarten überein. Der WWF bemängelt eine fehlende Transparenz und verlangt von der Holzkohlebranche, dass sie auf den Verpackungen Angaben zur Holzarten und -herkunft macht. Nur so könnten Verbraucher eine freie Entscheidung fällen. Lediglich zwei Firmen stellen Holzkohle in Deutschland beziehungsweise Frankreich her. Die anderen produzieren oder kaufen Holzkohle im Ausland. Insgesamt wird 85 Prozent der Grillkohle, die in Deutschland in den Handel kommt, importiert.

Aus welchen Ländern stammt denn dann die Kohle, die wir beim Grillen verfeuern?

Eine wichtige Drehscheibe für den Handel mit Holzkohle ist Polen. Dort wird Grillkohle aus vielen Ländern portioniert und verpackt – darunter aus Nigeria, Paraguay und der Ukraine. Den Recherchen von NDR und WWF zufolge begünstigen in diesen Ländern Korruption, organisierte Kriminalität und die Armut der Menschen den systematischen Raubbau an der Natur. Nigeria zum Beispiel leidet – wie auch Paraguay – unter einer sehr hohen Entwaldungsrate und verlor in den vergangenen 20 Jahren die Hälfte aller Wälder. In der Ukraine kämpfen Umweltschützer gegen illegalen Einschlag, auch in Urwäldern. Ein großer Teil der in Deutschland verbrauchten Grillkohle stammt damit aus Ländern, in denen es Legalitätsprobleme und illegalen Holzeinschlag gibt.

Was bedeutet es für die Umwelt, wenn für Grillkohle Tropenholz illegal geschlagen wird?

Tropenwälder sind Heimat unzähliger Arten und spielen eine herausragende Rolle für den Klimaschutz, weil dort jede Menge Treibhausgase gebunden werden. Der WWF ist nicht generell gegen eine Nutzung von Tropenholz – diese müsse aber nachhaltig sein. "Etliche Unternehmen der Holzkohlebranche tragen mit ihrem Verhalten zu Raubbau, Klimaerhitzung und Artenvernichtung bei", schreibt der WWF in seiner Marktanalyse.

Gibt es keine gesetzlichen Regelungen, um den Import von illegal geschlagenem Holz zu verhindern?

Grillkohle für den europäischen Markt: Ein Millardengeschäft in der Ukraine.
Grillkohle für den europäischen Markt: Ein Millardengeschäft in der Ukraine. | Bild: NDR

Eigentlich soll die seit 2013 gültige Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) sicherstellen, dass kein illegales Holz auf den europäischen Markt gelangt. Der Handel profitiert allerdings von einer Gesetzeslücke in der EUTR. Importiert er Stamm-Holz, muss der Händler beweisen, dass es legal geschlagen wurde. Importiert er Holzkohle, muss er das nicht. Diese Gesetzeslücke fördert damit nach Meinung des WWF die Waldzerstörung und illegalen Einschlag. Die Umweltorganisation setzt sich für eine Änderung der Holzhandelsverordnung ein, damit künftig alle Holz- und Papierprodukte erfasst werden.

Was bedeuten die Siegel PEFC oder FSC, die auf einigen Grillkohle-Säcken zu finden sind?

Das internationale Siegel PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) steht für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes. Zwei Drittel der deutschen Wälder tragen das PEFC-Zertifikat. Weltweit sind es über 300 Millionen Hektar. Das Forest Stewardship Council (FSC) wurde 1993 von Waldbesitzern, Händlern, Umweltschützern und Menschenrechtlern gegründet. Mit etwas über 200 Millionen Hektar ist FSC weltweit der zweitgrößte Holz-Zertifizierer, wobei das FSC-Zertifikat häufiger auf Produkten zu finden ist. Das Siegel der internationalen Non-Profit-Organisation steht für eine ökologische und sozial verträgliche Holzproduktion.

Garantieren die Siegel, dass für die Grillkohle kein Tropenholz verwendet wurde?

Leider nein. Bei ihren Untersuchungen für die WWF-Marktanalyse fanden die Wissenschaftler des Thünen-Instituts in drei Grillkohle-Proben mit PEFC- oder FSC-Siegel Tropenholz. Die Informationen, die der WWF auf Nachfragen bei den verantwortlichen Holzkohlefirmen erhielt, warfen nach Ansicht der Umweltorganisation viele Fragen auf und mehrten am Ende sogar den Verdacht, dass ein Händler nicht zertifiziertes Holz in die mit Zertifikat gelabelten Säcke gefüllt haben könnte. Das PEFC-Zertifikat halten Umweltorganisationen wie Greenpeace, NABU und WWF generell für nicht ausreichend, um eine sichere Herkunft von Holz zu garantieren. Sie kritisieren, dass es zu wenige Kontrollen der festgeschriebenen Standards gebe.

Aus dem FSC-Siegel ist Greenpeace kürzlich ausgestiegen, der WWF hält aber daran fest, weil es derzeit keine bessere internationale Alternative gebe. Auch das Umweltbundesamt hält das FSC-Siegel für geeignet, um sicherzustellen, dass das Holz für Grillkohle aus nachhaltiger Nutzung stammt. Der WWF fordert als Konsequenz aus der Marktanalyse, dass die Einhaltung der FSC-Standards bei den Holzproduzenten besser kontrolliert wird. So gebe es eine ganze Reihe von Holzkohleunternehmen, die sowohl mit FSC-zertifizierten als auch unzertifizierten Produkten handeln, die aus Ländern stammen, in denen eine Waldzerstörung wahrscheinlich ist. Sie verstoßen damit nach Meinung des WWF gegen die sogenannte Policy for Association von FSC, nach der sie keine Produkte verkaufen dürfen, die den Wald zerstören.

Wie können Grill-Fans wirklich sichergehen, dass sie kein Tropenholz verfeuern?

Es gibt in Deutschland mehrere Anbieter, die ausdrücklich damit werben, dass ihre Grillkohle frei von Tropenholz ist. Allerdings fanden die Wissenschaftler vom Thünen-Institut auch in einem Produkt mit dem Aufdruck "Kein Tropenholz" Hölzer aus tropischen und subtropischen Regionen. Einige Anbieter vertreiben alternative Grillkohle aus Mais oder Kokos. Wer ganz sichergehen will, sollte nach Meinung des WWF ganz auf Holzkohle verzichten. Eine ökologisch unbedenklichere Alternative sei das Grillen mit Elektro- oder Gasgrill.

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