Julian Assange – Die Überwacher

Julian Assange zeigt sich im Mai 2017 auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London.
Julian Assange zeigt sich im Mai 2017 auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London und spricht zu Reportern. Zum Zeitpunkt harrte er dort bereits fünf Jahre aus. | Bild: picture alliance/Photoshoot

Was für ein Unternehmen ist UC-Global?

UC-Global ist eine spanische Sicherheitsfirma mit Sitz in Jerez de la Frontera, Südspanien. Zu ihren Kunden gehörten Prominente wie der US-Milliardär und Trump-Unterstützer Sheldon Adelson oder der ehemalige Präsident von Ecuador, Rafael Correa. Die Firma bietet neben dem Personenschutz auch die Sicherung von Frachtschiffen oder Fabriken an. Geschäftsführer der Firma ist der ehemalige Elite-Soldat David Morales. Bekannt wurde das Unternehmen, weil es Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London beschützt und gleichzeitig überwacht hat.

Was war der Auftrag?

Das Unternehmen sollte anfangs vor allem für die Sicherheit von Julian Assange sowie der Botschaftsmitarbeiter sorgen. Später wurde die Firma von der ecuadorianischen Regierung auch damit beauftragt, Assange und seine Gäste zu überwachen. Dokumente, die NDR und WDR einsehen konnten, zeigen, dass von vielen Besuchern die Pässe sowie ihre Telefone und Laptops fotografiert, Passwörter und Textnachrichten abgeschrieben wurden. Darüber hinaus hat UC-Global Video- und Audioaufnahmen von Julian Assange und seinen Besuchern angefertigt. Von den Überwachungsmaßnahmen waren auch Berufsgeheimnisträger wie Ärzte, Anwälte, Abgeordnete und Journalisten betroffen.

Was wird dem Unternehmen vorgeworfen? 

UC-Global-Geschäftsführer David Morales wird unter anderem vorgeworfen, mit seiner Firma umfangreiche Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen und das Recht auf Privatsphäre begangen zu haben. Gespräche mit Anwälten beispielsweise unterliegen einem besonderen Schutz, denn sie können der Vorbereitung der eigenen juristischen Verteidigung dienen. Darüber hinaus soll Morales Informationen, Fotos und Videoaufzeichnungen an die USA geliefert haben. Interne Mails sowie eidesstattliche Versicherungen ehemaliger UC-Global-Mitarbeiter legen das nahe. Morales selbst streitet diesen Vorwurf ab. Er sagt: Sein Unternehmen habe lediglich im Auftrag Ecuadors gehandelt.

Was sind die Konsequenzen?

Mittlerweile beschäftigt sich die spanische Justiz mit dem Fall. Sie ist wegen des Firmensitzes von UC-Global zuständig. Bereits im Herbst 2019 hatten spanische Ermittler Geschäftsräume des Unternehmens sowie Privathäuser durchsucht, Bargeld beschlagnahmt und den Geschäftsführer David Morales vorübergehend festgenommen. Vor dem Nationalen Gerichtshof in Spanien ist nun ein Verfahren gegen das Unternehmen und Morales anhängig. Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Strafanzeige von Julian Assange und seinen spanischen Anwälten. Da auch drei Journalisten des Norddeutschen Rundfunks betroffen waren, stellte im vergangenen Herbst der NDR ebenfalls Strafanzeige. UC-Global weist alle Vorwürfe einer illegalen Überwachung zurück. Es bezeichnet die Vorwürfe als konstruiert und beschuldigt Mitarbeiter von Wikileaks, selbst verdeckte Audioaufnahmen von Treffen innerhalb der Botschaft angefertigt zu haben.

Ist UC-Global noch immer für die Sicherheit in der Botschaft zuständig?

Im Sommer 2018 übernahm ein anderes Unternehmen die Absicherung der ecuadorianischen Botschaft in London: PromSecurity. Diese Firma wird von einem ehemaligen ecuadorianischen Geheimdienst-Oberst geführt. Auch gegen PromSecurity haben Julian Assanges Anwälte Strafanzeige gestellt. Denn auch hier steht der Verdacht im Raum, dass Gespräche mit Anwälten aufgezeichnet wurden. Im März 2019 wurde der Wikileaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson von einer spanischen Gruppe kontaktiert. Sie habe kompromittierende Überwachungsvideos von Julian Assange. Entweder Wikileaks zahle drei Millionen Euro oder sie veröffentliche die Videos. Bei einem Treffen zeigten die Erpresser umfangreiche Dokumente und Videos, aus denen unter anderem hervorgegangen sein soll, dass PromSecurity Unterlagen von Assanges Anwalts Aitor Martinez mit dessen Verhandlungsstrategie für die Verteidigung von Julian Assange ausspioniert haben soll. Die spanische Polizei hat zwei der Erpresser festgenommen. Wikileaks Chefredakteur Kristinn Hrafnsson und Aitor Martinez haben Strafanzeige gestellt.​

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