SENDETERMIN Mo, 01.04.19 | 23:30 Uhr | Das Erste

Geschichte im Ersten: Der Stahlbaron

Hermann Röchling und die Völklinger Hütte

PlayHermann Röchling (Klaus Schindler) ist ein Meister darin, wirtschaftliche und politische Interessen zu verbinden und für die Belange der Völklinger Hütte zu nutzen.
Der Stahlbaron | Video verfügbar bis 01.04.2020 | Bild: SWR

Der Film erzählt die Geschichte des Stahlunternehmers Hermann Röchling. Der 1872 geborene Spross einer saarländischen Industriellenfamilie war ein technischer Visionär, charismatisch, ehrgeizig und machtbewusst. Sein Leben lang gelang es ihm, in politische Prozesse so einzugreifen, dass sie seinem Unternehmen nützten. Schon im Ersten Weltkrieg setzte er voll auf Rüstungsproduktion und scheute weder die Plünderung französischer Industrieanlagen noch den Einsatz von Zwangsarbeitern. Die Erzfelder des seit 1871 vom Deutschen Reich annektierten Lothringen nutzte er wie einen Selbstbedienungsladen. Die in Lothringen lebenden Franzosen sollten seiner Vorstellung nach durch Deutsche ersetzt werden.

Mit Zwangsarbeit zum wirtschaftlichen Erfolg

Als das Saargebiet nach dem Ersten Weltkrieg mit einem Mandat des Völkerbundes unter französische Verwaltung kam, wurde Röchling wegen Kriegsverbrechen und der Demontage in Frankreich zwar angeklagt, konnte sich dem Prozess und der gegen ihn verhängten Strafe jedoch entziehen. In der Zwischenkriegszeit baute er seinen politischen Einfluss aus, diente sich ab 1933 Hitler an und wurde wichtigster Kopf der "Deutschen Front", jenes Parteienbündnisses, das 1935 den Anschluss des Saargebiets an Nazi-Deutschland als seinen Sieg verbuchen konnte. Wieder konnte Röchling mit Rüstungsgütern sein Unternehmen nach vorne bringen, und wieder erlaubte ihm der Krieg den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern. Göring machte den Saarländer 1942 zum "Reichsbeauftragten für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten". Als "Röchling-Transporte" gingen die Verschleppungen von Zwangsarbeitern in die Geschichte ein. Der Völklinger Industrielle war inzwischen 70 und auf dem Höhepunkt seiner Macht; bis Kriegsende gehörte er der Spitze der NS-Elite an.

Der Prozess

Ingeborg Gußmann, die Enkelin von Hermann Röchling, erzählt von ihrem Großvater.
Ingeborg Gußmann, die Enkelin von Hermann Röchling, erzählt von ihrem Großvater. | Bild: SWR / Michael Kern

1948 wurde Hermann Röchling von der französischen Besatzungsmacht in Rastatt vor Gericht gestellt. Ähnlich wie in Nürnberg wurden in der badischen Kleinstadt Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhandelt. Über 2000 Personen waren angeklagt, meist Angehörige des südwestdeutschen Lagerpersonals – vom Wachmann bis zur Sekretärin. Unter den höheren Funktionsträgern war Hermann Röchling der Prominenteste und sein Wirken als NS-Unternehmerfigur für das französische Tribunal Général zweifelsfrei das mit der größten Tragweite.

Die Dokumentation nimmt den Prozess im Ahnensaal des Rastatter Schlosses als Ausgangspunkt, um die Verflechtung von Wirtschaft und Politik vor dem Spiegel der beiden Weltkriege anhand der Figur des saarländischen Stahlmagnaten zu erhellen.

Ein Film von Nina Koshofer

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