SENDETERMIN Mo., 23.03.20 | 22:45 Uhr | Das Erste

Colonia Dignidad – Aus der Finsternis (2)

Paul Schäfer (Mitte) mit einer Gruppe Jungen ca. 1968 in Chile
Paul Schäfer (Mitte) mit einer Gruppe Jungen ca. 1968 in Chile | Bild: WDR/LOOKSfilm

Sektenführer Paul Schäfer öffnet die isoliert in Chile lebende deutsche Gemeinschaft Colonia Dignidad mehr und mehr den Nachbarn und der chilenischen Öffentlichkeit. Nach dem Militärputsch im September 1973 dient er sich auch den neuen Machthabern an: Geheimpolizeichef Manuel Contreras und Diktator Augusto Pinochet gehen fortan in der Kolonie ein und aus, während die Gegner des chilenischen Terrorregimes in den Kellern der Kolonie gefoltert oder getötet werden. Kein Kolonist will davon unmittelbar etwas mitbekommen haben, zu sehr sind sie mit dem eigenem Überleben beschäftigt.

Waffenschmuggel für Pinochet

Als die USA 1976 ein Waffenembargo gegen Chile verhängen, lässt Schäfer mit Hilfe des deutschen Waffenhändlers Gerhard Mertins Kriegsgerät in die Kolonie schmuggeln – und reicht es an Pinochet weiter. Der steht fortan in seiner Schuld.

Doch der Kolonie droht von anderer Seite Gefahr. Amnesty International und der UN gelingt die Enthüllung der Folter an Chilenen durch die Deutschen. In Deutschland setzt ein Unterausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes die Colonia Dignidad auf die Tagesordnung, hört Gegner und Unterstützer der Kolonie an.

 Paul Schäfer mit Hunden (ca. 1970)
Paul Schäfer ca. 1970 | Bild: WDR

Sektenführer Paul Schäfer erweitert sein Reich und schafft sich ein menschliches Schutzschild, das die Kolonie gegen Anfeindungen verteidigt: Essen, Freizeitbeschäftigung und Krankenversorgung sind für die chilenische Bevölkerung umsonst. Und er vergeht sich nun auch an chilenischen Jungen ... Doch anders als die deutschen Opfer vertrauen sich die chilenischen Jungen ihren Eltern an. Die sind geschockt und handeln.

Chilenische Polizei ermittelt wegen Missbrauch

Mehr als 30 Jahre nachdem Schäfer nach Chile eingereist ist, nimmt die chilenische Polizei Ermittlungen auf – Schäfers jahrzehntelanger Missbrauch kommt ans Licht. Dem gelingt es, sich den Ermittlungen zu entziehen: Er versteckt sich auf dem weitläufigen Gelände der Colonia und flieht 1997 nach Argentinien.

Seine Anhänger werden sich selbst überlassen. Einige wenige werden als Helfershelfer verurteilt, alle anderen ringen bis heute darum, ein eigenes Leben zu leben.

Protagonist Günter Schaffrik ca. 1972
Günter Schaffrik (*1960) kam im Alter von zwei Jahren aus Deutschland in die Colonia Dignidad.  | Bild: WDR

Wer ist Opfer und wer ist Täter? Was ist in Anbetracht des Grauens und der zerstörten Leben gerecht? Wo fängt Schuld an und wo hört sie auf? Wie sieht die Zukunft der Kolonie, die sich heute Villa Baviera nennt, aus? Angesichts des jahrzehntelangen politischen und moralischen Versagens sind das Fragen, auf die es immer noch keine eindeutigen Antworten gibt.

Zweiteiliger Film von  Annette Baumeister und Wilfried Huismann

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