SENDETERMIN Mo, 28.01.19 | 22:45 Uhr | Das Erste

Die Story im Ersten: Auf schmalem Grat

Der riskante Politkurs des Sebastian Kurz

PlaySebastian Kurz
Die Story im Ersten: Auf schmalem Grat | Video verfügbar bis 28.01.2020 | Bild: dpa

"Der Welpenschutz ist vorbei", lästern die Spötter. Der Aufmerksamkeitsbonus, den der heute 32 Jahre alte Sebastian Kurz als Bundeskanzler der Republik Österreich und jüngster Regierungschef Europas noch vor einem Jahr für sich nutzen konnte, hat sich längst im rauen politischen Alltag verflüchtigt. 

Mit Beginn der schwarz-blauen Regierung, der Koalition aus konservativer ÖVP und rechtspopulistischer FPÖ, sieht sich der österreichische Bundeskanzler mit vielfältigen Problemlagen konfrontiert.

Die Außenpolitik – eine besondere Herausforderung

Zum einen innenpolitisch: das polternde und mitunter unsägliche Auftreten von Vertretern des rechten Koalitionspartners FPÖ (Nazi-Liedbuchaffäre, „Zwangsgebühren“-Polemik, Forderung nach Aufhebung des Nichtraucherschutzes)  bringt  ÖVP- Chef Kurz in immer kürzeren Abständen in Erklärungsnöte. Es knirscht immer häufiger im ÖVP-FPÖ-Personalgefüge. Auch außenpolitisch bewegt sich Kurz auf einem sehr schmalen Grat – auf den er sich aber selbst begeben hat.

Mit seiner frühen Ankündigung, Österreich würde künftig als "Brückenbauer" zwischen den Interessen der östlichen Visegrad-Staaten und Brüssel vermitteln wollen, weist er seiner Regierung eine enorme Verantwortung zu, die sich  jederzeit schnell als Bumerang erweisen könnte. Denn Brüssel könnte den Kanzler kurzerhand in die Pflicht nehmen, sollten Länder wie etwa Ungarn einen noch rigideren Anti-EU-Kurs vorlegen.

Ähnlich verhält es sich mit der auch von Kurz als historisch begründeten Mitverantwortung Österreichs für die Entwicklungen in den Ländern Südosteuropas. Trotz der für das vergleichsweise kleine Land jetzt schon enormen Anstrengungen in politischer, wirtschaftlicher und vor allem sicherheitsorientierter Hinsicht kann auch diese Regierung nicht verhindern, dass die Länder des Westbalkan von Nicht-EU-"Drittmächten" (USA, Russland, China, Saudi-Arabien) politisch wie wirtschaftlich mehr und mehr beeinflusst, wenn nicht gar vereinnahmt werden.

Lässt sich kurz vom Koalitionspartner vereinnahmen?

Spätestens mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs im vergangenen Juli konnte sich Sebastian Kurz vor allem im alles beherrschenden Themenfeld Flucht und Migration auf keinerlei Schonfristen mehr berufen.  Denn als Chef einer Mitte-Rechts-Regierung, die von anderen europäischen Nachbarstaaten kritisch beäugt wird, wurde und wird gerade er sehr genau beobachtet. So etwa auch bei seiner Ablehnung des EU-Migrationspaktes, an dem er zuvor als Außenminister ja noch selbst mitgewirkt hatte. Lässt er sich also doch vom Rechtspopulismus seines Koalitionspartners vereinnahmen oder schafft er im Gegenteil einen eigenständigen und emanzipierten EU-Kurs wie schon zu seiner Zeit als Außenminister der Republik Österreich? Besteht er als europäischer Krisenmanager im Spagat zwischen weltoffen-liberal und rechtspopulistisch oder scheitert er als entzauberter Politiker, von dem dann immer schon alle gewusst haben wollen, dass er für so große Aufgaben einfach noch zu unerfahren war?

ARD-Korrespondent Michael Mandlik hatteim vergangenen Jahr Gelegenheit, tiefere Einblicke in den Politalltag von Sebastian Kurz zu sammeln und den österreichischen Bundeskanzler in der Zeit des österreichischen  EU-Ratsvorsitzes auf seinen Reisen in Europa, in den USA, im Nahen Osten und in Afrika zu begleiten.

Herausgekommen ist ein detailreiches ARD-Porträt über Sebastian Kurz, seine persönlichen Ansichten, seinen Arbeitsstil und seine hochgesteckten politischen Ambitionen.

Ein Film von Michael Mandlik

116 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

Mo, 28.01.19 | 22:45 Uhr
Das Erste

Produktion

Bayerischer Rundfunk
für
DasErste