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Geschichte im Ersten: Akte D (1) – Die Macht der Bauernlobby

PlayMähdrescher beim Einsatz – seit den 1960er Jahren revolutionierten sie die deutsche Landwirtschaft.
Geschichte im Ersten: Akte D (1) – Die Macht der Bauernlobby | Video verfügbar bis 14.01.2020 | Bild: WDR/taglicht media GmbH / André Götzmann

Der Deutsche Bauernverband ist eine der mächtigsten Lobbyorganisationen, die es in der Bundesrepublik gibt. Er hat einen ähnlich großen Einfluss auf die Politik wie die deutsche Autoindustrie. Allerdings setzt die Bauernlobby ihre Interessen oft im Stillen durch. Wie aber ist dieser Machtfaktor entstanden? Und wie ist es ihm immer wieder gelungen, Gesetze zu beeinflussen?

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, auf dem Deutschen Bauerntag 2018.
Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft | Bild: WDR/taglicht media GmbH

Ein Grund liegt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Lebensmittel waren knapp und Landwirte wichtig, so wie während des Nationalsozialismus. Die Bundesregierung wurde auch mit der Drohung unter Druck gesetzt, dass sich Landwirte, denen es im Dritten Reich gut ergangen war, schnell wieder radikalisieren ließen.

Subventionen im Westen – Enteignungen im Osten

Das verfing: 1955 legte die Bundesregierung per Gesetz den Grundstein für das heutige Subventionssystem. Bauern wurde die Abnahme wichtiger Erzeugnisse zu festen Preisen garantiert. Diese Preisgarantie war auch der entscheidende Faktor auf dem Weg zu immer größeren Höfen.

Anders war die Situation in Ostdeutschland. Hier wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Großbauern mit mehr als 100 Hektar Land enteignet. Entschädigungen erhielten sie keine. Deshalb flohen viele in den Westen und wagten einen Neuanfang. Die, die blieben, landeten in der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft).

Der europäische Getreidepreis

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), beim Deutschen Bauerntag 2018
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, beim Deutschen Bauerntag 2018 | Bild: WDR

Im Westen wuchs Europa zusammen. Doch der Bauernverband blockierte lange einen europäischen Getreidepreis. Der Grund: Deutsche Bauern sollten nicht so wenig verdienen wie ihre Kollegen in Italien oder Frankreich. Erst nach der Zusicherung zusätzlicher Subventionen für deutsche Landwirte stimmte der Bauernverband doch dem einheitlichen europäischen Getreidepreis zu.

Nach dem Fall der Mauer 1989 entschied die Bundesregierung, die gut 4000 LPGs der DDR zu privatisieren. Käufer waren oft die alten LPG-Vorsitzenden. Sie wussten, wie viel das Land wert war, und nutzten mitunter juristische Tricks. Der Bauernverband nahm die landwirtschaftlichen Großgrundbesitzer, die roten Barone, wie sie im Osten genannt wurden, gerne auf. Nicht wenige machten sogar Karriere im Verband.

Über die Reihe "Akte D"

"Akte D" ist eine investigative Dokumentationsreihe, die den Zuschauer auf Spurensuche in die Vergangenheit mitnimmt, verdrängte Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte neu beleuchtet und mit Mythen und Legenden aufräumt. Die erste Staffel dieses Formats wurde 2015 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Ein Film von Matthias Fuchs

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