Die fiesen Tricks beim Immobilienverkauf

Die Versuchs-Wohnung nach unserer Blitz-Renovierung

Reporterin Jana ist den Fallen beim Immobilienkauf auf der Spur. Wohnungen und Häuser werden immer teurer. Das nutzen viele aus. Heruntergekommene Wohnungen werden als top Investition angepriesen. Mängel wie Schimmel werden einfach überstrichen oder hinter Möbeln versteckt. So werden Interessenten  über den wahren Zustand der Immobilie hinweggetäuscht und haben das Nachsehen. Reporterin Jana deckt die billigen Tricks auf und zeigt, wie man eine Schrott-Immobilie mit günstigen Mitteln aufhübschen kann.

Das Verschweigen von Mängeln beim Verkauf ist strafbar

Rechtsanwalt Peter Mauel ist Experte für Baurecht und stellt fest, dass durch die hohe Nachfrage jetzt auch Immobilien verkauft werden können, die früher keine Käufer gefunden hätten. Und erst stellt fest: Es wird immer mehr getrickst. "Wir erleben am meisten, dass Mängel kaschiert werden. Beispielsweise durch überstreichen von Schimmel, vorbringen von Rigipsplatten, verdecken von sonstigen Mängeln mit allen möglichen Methoden, genau das geschieht. Und das geschieht schlicht und ergreifend, um einen Käufer nachher zu täuschen über den tatsächlichen Zustand."

Wenn der Verkäufer über die Mängel Bescheid weiß und sie beim Verkauf verschweigt, macht er sich sogar strafbar. Bei nachträglichen Beschwerden ist aber der Käufer im Nachteil. Denn der muss beweisen, dass der Verkäufer ihn getäuscht hat. Peter Mauel ärgert sich über diese Regelung: "Der Verkäufer kann sich leicht herausreden, kann sagen: habe ich nicht gemacht, war der Voreigentümer, hat irgendein Mieter gemacht. Es gibt eine ganze Menge Möglichkeiten, in denen der Verkäufer hingeht und einfach sagt: Ich war es nicht. Und der Käufer bleibt dann nachher auf seinem Schaden sitzen."

Verbraucherfallen-Reporterin Jana bei der Wohnungsbesichtigung mit einem Sachverständigen
Verbraucherfallen-Reporterin Jana bei der Wohnungsbesichtigung mit einem Sachverständigen

Janas Selbstversuch: Kann man mit wenig Mitteln eine Schrott-Immobilie zur Traumwohnung machen?

Kann man Immobilienkäufer tatsächlich so einfach täuschen? Das will Reporterin Jana herausfinden. Sie macht sich auf die Suche nach einer renovierungsbedürftigen Wohnung, die sie mit einfachen Tricks aufmöbeln will. Auf ihre Aufrufe meldet sich eine Wohnungsbesitzerin aus Karlsruhe. In Ihrer Wohnung hat jahrelang ein Mietnomade gewohnt und die Wohnung in einem stark heruntergekommenen Zustand zurückgelassen. Jana kann kaum glauben, dass in der Wohnung bis vor kurzem noch jemand gewohnt hat: Jahrelang wurde in der Wohnung nichts gemacht, es riecht unerträglich nach Nikotin, an der Decke sind große schwarze Flecken, Küche und Bad sind völlig heruntergekommen.

Der Bausachverständige Marc Förderer entdeckt neben den offensichtlichen Mängeln  aber noch weitere Problemstellen: Es wurden sogenannte Sauerkrautplatten eingebaut, welche Asbest enthalten können, ein Wand ist feucht und dort hat sich auch schon Schimmel gebildet. Das Urteil des Experten: Die Wohnung wäre im derzeitigen Zustand circa 75.000 Euro wert. Für eine vollständige Sanierung wären mindestens 100.000 Euro fällig.

Renovierung mit Billigmaterialien

Unsere Reporterin Jana ist überrascht: Sie wollte die Wohnung mit wenig Geld aufhübschen und Immobilieninteressenten mit billigen Tricks über den tatsächliche Zustand der Wohnung hinwegtäuschen. Ob das wirklich klappen kann?

Jana macht sich an die Arbeit. Zuerst kommt der ganze Müll raus – nach einem Tag ist es immerhin schon mal sauber. Jetzt geht es in den Baumarkt: Spanplatten für die Decke, ein günstiger Messeteppich für den Boden, ein bisschen Farbe und Mörtel für die Wände und auch das Bad braucht neues Equipment. Alles in allem bezahlt Jana knapp 2.300 Euro für das Baumaterial.

Käufer fallen auf Schrott-Immobilie herein

Nach der Billig-Sanierung bietet Jana die Wohnung im Internet zum Kauf an. Sie wirbt mit den typischen Phrasen: schwärmt von Entwicklungspotenzial und Gestaltungsideen. Und langt kräftig zu: Für 54 Quadratmeter verlangt sie 185.000 Euro. Mehr als das Doppelte des eigentlichen Wertes. Und tatsächlich melden sich über 70 Interessenten auf die Anzeige.

Unsere Reporterin Jana lädt ein paar davon ein. Und den meisten Interessenten gefällt die Wohnung, sie loben den Charme oder den guten Schnitt. Sie sind sogar bereit, eine Selbstauskunft auszufüllen.

Als unsere Reporterin Jana sie aufklärt, sind sie fassunglos: Fast keinem fiel der Pfusch auf.

Daher gilt: Beim Immobilienkauf nicht von der schönen Fassade blenden und sich zeitlich nicht unter Druck setzen lassen. Stattdessen einen Experten mitnehmen, damit man den Tricksern nicht in die Falle geht.

Tipps! Das sollten Sie vor Abschluss eines Kaufvertrages beachten:

– Fallen Sie nicht auf Psychotricks von Verkäufern oder Maklern herein. Aussagen wie "Es gibt schon sehr viele Interessenten, Sie sollten schnell zuschlagen", sollen Sie nur unter Druck setzen.

– Lassen Sie vor Abschluss die Immobilie von einem Sachverständigen bautechnisch überprüfen, um später böse Überraschungen zu vermeiden.

– Verträge nicht unter Zeitdruck unterschreiben. Lassen Sie die Verträge vor Unterschrift von einem Experten überprüfen.

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