Stellungnahme zum Statement von Fairtrade zu unserer Sendung

Fairtrade Deutschland veröffentlicht auf seiner Internetseite ein Statement zum ARD "Montags-Check" und erhebt darin den Vorwurf, dass es in unserem Beitrag zu fehlerhaften und falschen Darstellungen und Behauptungen gekommen sei. Diesen Vorwurf weisen wir entschieden zurück.

Da uns auch Anfragen zum Statement von Fairtrade Deutschland erreichen, wollen wir hiermit dazu Stellung nehmen. In der Veröffentlichung von Fairtrade Deutschland wird behauptet…

…dass der Autor "nicht die vorliegenden Informationen in seinem Beitrag nutzt und Verbrauchertäuschung suggeriert, wo das Fairtrade-System transparente und öffentlich nachlesbare  Regelungen vorschreibt."

Dazu halten wir fest: Viele Verbraucher kaufen fair gehandelte Produkte, weil sie davon ausgehen, dass sie damit Produzenten in den südlichen Ländern unterstützen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Siegel, die vermeintlich für fairen Handel stehen. Darunter sind aber auch Siegel, deren Fokus etwa eher auf nachhaltigem Anbau liegt oder Siegel, die keine  Mindestpreise und Prämien für die Bauern garantieren.  Das ist vielen Verbrauchern nicht klar.

Hinzu kommt: Auch beim bekanntesten Siegel, dem Fairtrade-Siegel, hat es Veränderungen der Standards gegeben. So wurde 2011 etwa der Mindestanteil an fair trade Zutaten in Mischprodukten wie Keksen, Schokolade oder Eis von 50 Prozent auf 20 Prozent abgesenkt. So wurde es letztlich möglich, dass mehr Produkte das Fairtrade-Siegel tragen können. Diese Regelung ist vielen Verbrauchern nicht klar. Das belegen auch die Umfragen in unserem Beitrag. Dabei wurde deutlich, dass Kunden auch bei Mischprodukten, die auf der Schauseite das Fairtrade-Siegel tragen, von einem wesentlich höheren fair trade Anteil im Produkt ausgehen. Wir haben Passanten auch nach dem Begriff "Mengenausgleich" gefragt.

Auch hier war keinem der Befragten der Begriff bekannt, geschweige denn, bewusst, was er bedeutet. Damit sind beide Regelungen eben nicht so transparent wie Fairtrade Deutschland meint. Im Sinne der Transparenz für den Kunden wäre es wünschenswert, dass der fair trade-Anteil nicht in der Zutatenliste und damit im Kleingedruckten genannt wird, sondern auf einen Blick auf der Schauseite des Produktes ausgewiesen wird. Dies fordern übrigens Verbraucherschützer schon seit langem.

…dass das selbst kreierte Eis nicht den Fairtrade-Regeln entspricht.

Dazu halten wir fest: Bei der Herstellung seines Schokoeises hat sich der Autor genau an die Fairtrade Regelungen gehalten – und bei Zucker und Kakao den Mengenausgleich angewandt (selbstverständlich hat er bei der Herstellung des Eises davon nur den analogen Anteil benutzt, der zuvor 100 Prozent fair eingekauft wurde), anschließend gemäß den Regelungen für Mischprodukte den fair trade Anteil berechnet. Alle Zutaten, die fair gehandelt verfügbar sind, wurden entsprechend verwendet.

...dass der Mengenausgleich falsch dargestellt sei.

Der Mengenausgleich ist wie im Beitrag auch anhand einer Grafik erläutert bei den Produktgruppen Kakao, Zucker, Tee und Orangensaft möglich, weil bei diesen Rohstoffen laut Fairtrade die Rückverfolgbarkeit aus produktionstechnischen Gründen nicht immer möglich ist. Das kann dazu führen, dass ein Produkt z.Bsp. Schokolade ein Fairtrade-Siegel trägt, obwohl der dafür verwendet Zucker oder Kakao nicht aus fairem Anbau stammt. Dass ein Produkt mit "Mengenausgleich" hergestellt wurde, erfährt der Verbraucher wieder nur im Kleingedruckten. Erläuterungen zur Bedeutung des komplexen Sachverhalts fehlen ganz.

… dass der Anteil, der an die Produzentenorganisation geht, über alle Produktgruppen bei 18 Prozent liegt.

Dazu halten wir fest: Im Interview mit dem Autor spricht Fairtrade selbst von ungefähr 10 Cent, die bei einer 100 Gramm Tafel Schokolade vor Ort für den Kakao ankommen. Im Kakaobarometer wird für die Bäuerinnen und Bauern der Anteil am Verkaufspreis auf 6,6 Prozent beziffert.

Zur Kooperative Kavokiva

Viele Kunden von fair trade Produkten gehen davon aus, dass von dem höheren Preis, den sie für fair gehandelte Produkte bezahlen, der Bauer im Anbaugebiet einen höheren Lohn enthält. Um zu zeigen, wie das System Fairtrade funktioniert, haben wir einige Projekte in der Elfenbeinküste besucht.

In der von der Fairtrade Foundation herausgegebenen Broschüre "Fairtrade and Cocoa"  vom August 2011 wird das Gesundheitszentrum Kavokiva als Musterbeispiel für die Elfenbeinküste dargestellt. Bei unserem Besuch dort war das Gesundheitszentrum geschlossen und wir erfuhren, dass dies schon längere Zeit so sei. Wie Fairtrade nun einräumt, wurde die Kooperative von der Regierungskrise im Jahr 2010/2011 hart getroffen. Die Kosten für die Gesundheitsstation konnten nicht mehr getragen werden. Unverständlich für uns, warum die Broschüre, in der Fairtrade mit Kavokiva wirbt, immer noch auf der Internetseite von Fairtrade International abrufbar ist.

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