SENDETERMIN Mo, 14.11.16 | 20:15 Uhr | Das Erste

Fertiggerichte: Nur schnell oder auch gut?

Folge 3

Tim Mälzer im Hamburger Scolab. Mit Lebensmittelchemikerin Dr. Kerstin Felipzik untersucht er Fertiggerichte.
Tim Mälzer im Hamburger Scolab. Mit Lebensmittelchemikerin Dr. Kerstin Felipzik untersucht er Fertiggerichte.

Für Trendscouts beginnt die Ära der Fertiggerichte erst gerade. Fakt ist: in Zeiten von berufstätigen Eltern und immer mehr Singlehaushalten sind Fertiggerichte aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Hersteller freut es: 3,415 Milliarden Euro Umsatz machten sie im Jahr 2015. Mittlerweile isst jeder zweite Deutsche schon mindestens einmal pro Woche eine Hauptmahlzeit als Fertiggericht.

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Fertiggerichten:

  • aufguss-/anrührfertig wie Kartoffelpürree oder Instantsuppen
  • zubereitungsfertig wie Tiefkühlpizzen, Konserven oder Mikrowellengerichte
  • verzehrfertig (z.B. Fischkonserven, Joghurt, Fertigkuchen)

Was schmeckt hier?

  • Je mehr ein Gericht verarbeitet wurde, desto mehr Zusätze sind darin enthalten.
  • Vom klassischen Geschmacksverstärker Glutamat darf bis zu 10 Gramm pro Kilogramm Lebensmittel zugesetzt werden.
  • Geschmacksverstärker können sich jedoch hinter vielen weiteren Begriffen verbergen: Hefeextrakt, Würze, Soja- und Weizenextrakt oder Milcheiweiß.
  • Nur Glutamat muss dabei als Geschmacksverstärker gekennzeichnet werden: laut Lebensmittelgesetz ist es ein Zusatzstoff.
  • Alle anderen Geschmacksverstärker gelten laut Gesetz als "Zutaten", auch wenn sie eine ähnliche chemische Zusammensetzung haben wie Glutamat.
  • Die Industrie wirbt mit dem Verzicht auf geschmacksverstärkende Zusatzstoffe, benutzt aber oft trotzdem Zutaten mit gleicher Wirkung.
  • Viele Geschmacksverstärker erhöhen in Kombination ihren Effekt.
Der Inhalt einer Tüte Fertigkarottensuppe – übrigens Bio.
Der Inhalt einer Tüte Fertigkarottensuppe – übrigens Bio.

Fertiggerichte sind meist teurer als selbstgemachtes Essen:

  • Fertig-Pfannkuchen kosten dreimal soviel wie selbstgemachte Pfannkuchen (0,12 Euro vs. 0,33 Euro)
  • Fertigpizza kostet mehr als doppelt so viel wie selbstgemachte Pizza (0,34 Euro vs. 0,78 Euro)
  • Fertigkuchen ist viermal teurer als selbstgebackener (0,57 Euro vs. 0,14 Euro/100 Gramm)

Tim Mälzer gibt folgende Tipps, wie man im Restaurant Fertiggerichte erkennen kann:

  • lange Speisekarte, aber wenig Köche
  • der Preis: wenn Gerichte weniger als dreimal so teuer sind wie die Zutaten im Supermarkt
  • Zusatzstoffe müssen auch auf der Speisekarte deklariert werden. Sind sie dort zu finden, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Fertiggericht.
Wie gut sind Bio-Fertiggerichte?
Wie gut sind Bio-Fertiggerichte?

Bio-Fertiggerichte:

  • Die Bioverbände haben strenge Regeln: Es sind nur 42 Zusatzstoffe erlaubt. Bei konventionellen Fertiggerichten sind es über 300.
  • Glutamat, Stabilisatoren und Aromen sind in Bio-Fertiggerichten verboten, genauso wie Farb- und Süßstoffe. Hefeextrakt ist jedoch erlaubt.
  • Lebensmittelzusatzstoffe sind nur erlaubt, wenn die Lebensmittel ohne die betreffenden Stoffe weder hergestellt noch haltbar gemacht werden können.
  • Bei keinem der drei großen deutschen Bioverbände Bioland, Demeter und Naturland sind synthetische Zusatzstoffe oder Enzyme erlaubt.
  • Bio-Fertiggerichte haben meist ähnliche Nährwerte wie konventionelle Fertiggerichte.

Nährstoffe in einer durchschnittlichen Tiefkühlpizza:

  • Eine Fertigpizza enthält durchschnittlich 35 Gramm Fett, das macht 50 Prozent des Tagesbedarfs eines Erwachsenen aus.
  • Dazu kommen 80 Gramm Kohlenhydrate, das ist über ein Drittel dessen, wir wir täglich brauchen.
  • Mit über 5 Gramm Salz liefert eine Salamipizza zudem fast die gesamte Tagesmenge eines Erwachsenem.
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