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Immer mehr Fälle von Jobscamming

Gefahr bei Onlinebewerbungen

Beim Video-Ident-Verfahren werden Ausweisdokumente in die Kamera gehalten.
Beim Video-Ident-Verfahren werden Ausweisdokumente in die Kamera gehalten.  | Bild: SWR

Christian von Bargen ist alleinerziehender Vater und sucht einen Job. Der Projektmanager bewirbt sich auf eine Stellenanzeige im Internet. Etwa zwei Stunden, nachdem er sich beworben hat, schreibt eine vermeintliche Mitarbeiterin des Unternehmens, bei dem er sich beworben hatte, er müsse seine Identität nachweisen. Erst danach könne seine Bewerbung überprüft werden. Von Bargen schickt ein Foto von sich und seinem Personalausweis.

Bewerber soll online Konto eröffnen

Zwei Tage später erhält er die Nachricht, die Firma wolle ihn gerne einstellen. Die Vertragsunterlagen würden ihm zugeschickt werden, sobald er am Video-Ident-Verfahren einer Direktbank teilgenommen habe. Von Bargen ruft bei der Bank in Berlin an. Der Bankmitarbeiter überprüft die Sicherheitsmerkmale seines Personalausweises und bestätigt seine Identität.

Nachdem das Video-Ident-Verfahren erfolgreich abgeschlossen wurde, ist das Konto eröffnet.
Nachdem das Video-Ident-Verfahren erfolgreich abgeschlossen wurde, ist das Konto eröffnet. | Bild: SWR

Der Jobsuchende glaubt, dass er nun die Vertragsunterlagen von der Firma erhalten wird und dass das Konto wieder geschlossen wird. "Ich wollte das wirklich gerne machen. Es war auch kein übertriebenes Lohn- oder Gehaltsversprechen vorhanden, das passte auch realistisch in meine Erfahrungen rein", sagt von Bargen.

Identität gestohlen

Die Täter haben seine Identität gestohlen und können das Bankkonto, das er eröffnet hat, für ihre kriminellen Geschäfte nutzen. Einen Arbeitsvertrag des vermeintlichen Unternehmens erhält er nie. Stattdessen schreiben ihm Menschen, die sagen, sie haben ihm Geld für Technikprodukte überwiesen, aber keine Ware erhalten. Einige enttäuschte Käufer rufen ihn sogar an. "Die Leute, die sich bei mir gemeldet haben, die wollten Technik kaufen oder waren sogar der Meinung, sie hätten bei mir Technik gekauft, technische Artikel, wie Drohnen, Grafikkarten. Ich habe mit einer telefoniert, die hat für einen Laptop über 500 Euro bezahlt", sagt von Bargen.

Jobscamming nimmt zu

Er ist kein Einzelfall. Seit Juli 2018 warnt die Präventionsstelle Cybercrime des Landeskriminalamtes Niedersachsen vor Jobscamming. Die Zahl der Anzeigen hat seither enorm zugenommen. Zum Teil sind auch die Namen prominenter Unternehmen missbraucht worden. "Die Täter erstellen eine Fake-Seite, die wirklich gut aussieht, die wirklich gut nachempfunden ist dem Originalunternehmen wie zum Beispiel Tchibo oder Deutsche Bahn. Eigentlich ist die Seite nur für einen kurzen Moment verfügbar, das heißt für den Zeitraum des Betruges, wo Jobsuchenden wirklich glaubhaft gemacht werden soll, dass über diese Seite der Kontakt zu dem echten Unternehmen besteht", sagt Hans-Joachim Henschel vom Landeskriminalamt Niedersachsen.

Video-Ident-Verfahren

Das Video-Ident-Verfahren ist ein gesetzlich anerkanntes Verfahren, um seine Identität zu bestätigen. Seit 2014 ist es zugelassen und ermöglicht Kunden, bei Banken online ein Konto zu eröffnen. Früher standen Banken lediglich das Post-Ident-Verfahren oder die Identifikation in der Filiale zur Verfügung. Beim Video-Ident-Verfahren halten Kunden ihre Ausweisdokumente in einem Videochat in die Kamera und beantworten zusätzlich ein paar Fragen.

Christian van Bargen wurde dazu aufgefordert, seine Identität zu verifizieren.
Christian van Bargen wurde dazu aufgefordert, seine Identität zu verifizieren. | Bild: SWR

Verbraucherschützer warnen, dass Post- und Video-Ident-Verfahren keine hundertprozentige Sicherheit bieten, um die Identität eines Kontoeröffners sicher zu überprüfen. Nach Recherchen des Kriminalreports werden Bankkonten, die unter falschen Identitäten eröffnet wurden, im Darknet offen gehandelt. Die Täter nennen sie "Bankdrops". Diese Bankdrops werden für 600 bis 900 Euro pro Kontoverbindung verkauft und auch für Fakeshops und Geldwäsche genutzt.

Tipps zum Schutz vor Jobscamming

Video-Ident-Verfahren sind bei Onlinebewerbungen durchaus möglich. Bewerber sollten es allerdings unbedingt ablehnen, für das Stellenangebot ein Konto über das Video-Ident-Verfahren zu eröffnen. Wer dies bereits getan hat, sollte das Konto sperren lassen.

Es kann auch vorkommen, dass sie in andern Bereichen, zum Beispiel beim Onlineshopping dazu aufgefordert werden, Dokumente zu fotografieren und zu versenden. Die Polizei rät dazu, Anzeige zu erstatten, sollten Sie Fremden Daten übermittelt haben. Denn auch mit diesen Daten und Legitimationsunterlagen können Täter Straftaten begehen.

Hinweise auf Jobscamming können laut Verbraucherzentrale schnelle, positive Rückmeldungen sein, die den Bewerber auffordern, seine Identität zu verifizieren, bevor er einen Arbeitsvertrag zugesendet bekommen kann. Des Weiteren können Rechtschreib- und Grammatikfehler auch ein Indiz für eine fingierte Stellenausschreibung sein. Da die Betrüger aber immer professioneller arbeiten, sind diese sprachlichen Fehler seltener geworden. Verbraucherschützer raten dazu, kein Video- oder Post-Ident-Verfahren zu machen, ohne dass es mit dem Arbeitgeber persönlichen Kontakt gab. Spätestens wenn Sie für den Job ein Konto per Video-Ident-Verfahren eröffnen sollen, sollten Sie misstrauisch werden.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Stand: 18.12.2018 09:55 Uhr